Donnerstag, 21. Juni 2012

Storchenkind am Tierklavier

Ihr habt Recht, ich hatte noch nichts über die Windeln geschrieben. Ein erster Anlaufpunkt war www.naturwindeln.de. Dort findet man alles Wissenswerte über die verschiedenen Windelarten und Wickelsysteme. Das ist echt n weites Feld. Es gibt so viele verschiedene Hersteller und alle haben Vor- und Nachteile. Ich bin damals in einem Shop gelandet, der sowohl Tragejacken (hab damals ja nach einer gesucht) und Naturwindeln anbietet, ebenso wie eine Beratung am Telefon. Das hat mir wirklich geholfen. Meine Ansprüche an die Windel war, dass sie einfach zu binden ist, auch wenn solche Windeln dann recht teuer sind. Ich mach mir nichts daraus ein bisschen zu falten und so, aber es sollte auch für den Papa (oder die Oma) machbar sein, der - es ist einfach so - nicht ganz so fingerfertig ist. Außerdem sollte sie auch auch ohne Trockner halbwegs schnell trocknen.
Die Beraterin am Telefon empfahl mir im Endeffekt die Windeln von Storchenkinder. Die werden in Deutschland gefertigt, sind aus Bio-Baumwolle und sie, die ne Menge Windeln an ihren eigenen Kindern ausprobiert hat, war damit sehr zufrieden. Es gibt zwei Größen, die Einlagen, die es dazu gibt, passen für beide, und man braucht noch eine Wollüberhose. Zugegeben, ganz billig ist es in der Anschaffung nicht. Ich habe dann im Endeffekt gebrauchte Windeln auf ebay gekauft, weil mein Mann für die erste Größe keine 200€ ausgeben wollte (die zweite sollten wir uns jetzt langsam mal anschaffen). Die Windeln kosten neu um die 12€, die Wollüberhosen (gibt es auch in verschiedenen Größen, man braucht eine gut sitzende, also muss man da auch verschiedene Größen kaufen) etwa 14€. Überhosen sollte man jeweils 2 oder besser 3 haben. Windeln hab ich in Größe I 14 Stück, ist aber schon ein wenig knapp, weniger sollten es auf keinen Fall sein. Die Einlagen kosten einzeln 2,50€. Darüber hinaus gibt es auch Komplettsets, bei denen man ein bisschen spart. Außerdem empfiehlt es sich Gallseife, ein Wollwaschmittel und eine Lanolinkur zu Hause zu haben.

So.

Musikernachwuchs...

Wir haben die Baumwollwindeln ja nicht von Anfang an genutzt. Die schwarzgrünen Ausscheidungen in den Anfangstagen können sie gleich zu Beginn hübsch versauen, weshalb man da vielleicht doch erstmal besser Wegwerfwindeln benutzt. Wir haben einen entspannten Kompromiss für uns gefunden. Nachts benutzen wir Wegwerfwindeln, einfach weil ich so froh bin, wenn der Kleine endlich schläft und ich dann nicht mitten in der Nacht Windeln wechseln und ihn aufwecken will. Auch wenn wir nen längeren Ausflug machen oder z.B. zu Besuch bei den Großeltern sind, nehmen wir Wegwerfwindeln. Es gibt mittlerweile in jedem gut sortierten Supermarkt oder zumindest bei dm biologisch abbaubare Windeln. Wenn man das nicht will, braucht man unterwegs noch eine wasserdichte Windeltasche für die benutzten Windeln.

Die Storchenkinderwindel ist einfach in der Handhabung und hat keine Klettverschlüsse, die nur verflusen und dann nicht mehr richtig halten, aber auch die Bindebänder sind nicht so lang, dass sie sich in der Waschmaschine verheddern. Die Gurke hatte in den Baumwollwindeln nie einen wunden Hintern. Nach mehreren Tagen Wegwerfwindelbenutzung sah das schon ganz anders aus, da war der Popo teilweise beängstigend rot und entzündet, weil die Haut nicht so gut atmen kann. Bei Baumwollwindeln wickelt man auch automatisch viel öfter, bei Pampers ist man viel fauler. Das tut der Haut nicht gut. Auch wenn meine Couch das nicht mag und mittlerweile wer weiß wie viel Pipi in ihr verschwunden ist: wir lassen den Kleinen jeden Tag so viel wie möglich ohne Windel rumkrabbeln. Mit den Pfützen muss man leben. Der Babypopo dankt es einem. Wir haben hier kistenweise alte Handtücher zum Unterlegen, die man gut mit den Windeln zusammen in die Maschine schmeißen kann. Bei 14 Windeln ist das Ding ja noch nicht mal halb voll... 

Zum Thema Waschen. 
Zu Zeiten des Muttesrmilchstuhls, wenn alles noch sehr flüssig ist, muss man die Windel sofort wechseln, weil sonst alles rausläuft. Aber man ist ja eh die ganze Zeit bei dem Kleinen und hört es. Wir haben einen kleinen Eimer mit Deckel, in den die Windel zusammen mit Wasser und Gallseife kommt, damit der gelborange Kram nicht so arg in die Windel eindringen kann. Zum Waschen sollte man zumindest ein parfümfreies Waschmittel nehmen und keinen Weichspühler, Babyhaut ist sehr empfindlich. Wir sind schon vor der Geburt umgestiegen auf so Allergikerzeugs, später Flüssigwaschmittel aus Waschnüssen, auch wegen der (nackigen) Katze, deren Haut das nicht verträgt. Mittlerweile benutzen wir nur noch Waschnüsse und sind davon total begeistert. Zu den heftig verschmutzten Windeln kommt ein Esslöffel Fleckensalz und damit hat sichs. Mit der Reinigungsleistung sind wir total zufrieden. Bei 80°C geht eigentlich alles raus.
Später, wenn man die festeren Kotklümpchen einfach in der Toilette entsorgen kann, muss man auch bei der Reinigung nicht mehr so aggressiv sein. Das Einweichen lass ich jetzt komplett, das Wasser muss nicht mehr so heiß sein und auch Fleckensalz benutz ich nicht immer. Trocknen lass ich die Windeln auf einem Trockengestell über der Badewanne, das dauert etwa einen Tag. Oder wenns mal schnell gehen muss auch auf der Heizung.

Die Überhöschen sind noch mal ein Thema für sich. Man kann sie kaufen oder auch selbst stricken, sie sollten aber zumindest zweilagig sein. Ich hatte welche direkt von Storchenkinder und ein Paar von Disana, die mir beide gut gefallen haben. Wasserdichte Plastiküberhosen sollte man nicht benutzen. Klar, es kommt keine Feuchtigkeit raus, aber auch keine Luft rein. Durch den natürlichen Lanolingehalt von Wolle sind die Überhosen bis zu einem gewissen Punkt wasserdicht. Ich muss so etwa alle 3 bis 4 Stunden wickeln.
Wenn die Wollhosen nass sind, braucht man sie nicht jedesmal zu waschen. Wolle ist schmutzabweisend und müffelt auch nicht wie Baumwolle. Einfach trocknen lassen. Mittlerweile komm ich mit 2 Überhosen hin, die man im Wechsel anzieht, wenn die andere nass ist. Früher musste man so ne Hose schon mal öfter waschen, weil der flüssige Stuhl ausgelaufen war. Wollhosen kann man aber nicht einfach in die Waschmaschine stecken. Höchstens in den Wollwaschgang, aber wegen einer Hose... Ich wasch die Hosen dann per Hand. Bei 30°C im Waschbecken mit einem Wollmaschmittel. Nach dem Waschen muss man sie dann mit Lanolin rückfetten, damit sie wasserabweisend bleiben. Nach der Wäsche drückt man überschüssiges Wasser in einem Handtuch aus, zieht das Höschen in Form und lässt es trocknen. Nicht in die Sonne oder auf die Heizung legen!

Mann, ich hätte nie gedacht, dass es so viel über Windeln zu sagen gibt... Wir sind jedenfalls sehr zufrieden mit unserer Wahl. Es gibt sicher günstigere Windelsysteme, die aber dann nicht so einfach in der Handhabung sind. Und ich empfinde das Waschen auch nicht als Belastung, macht ja die Maschine und nicht ich. ;) Klar, das ständige Waschen ist auch nicht so wahnsinnig umweltfreundlich, da kann man drüber diskutieren, aber wenigstens lassen wir den Müllberg nicht so krass weiterwachsen. Und auch finanziell lohnt es sich auf lange Sicht, vor allem, wenn man mehr als ein Kind bekommt. Und die Windeln gehen auch Second Hand weg wie warme Semmeln. Ich würds jederzeit wieder so machen.

Kommentare:

  1. Seit ich die Dokumentation (auf Arte) über den "Windelmüllberg" inkl. dem nicht abbaufähigen Granulat darinnen, gesehen habe, habe ich Hocha.chtung vor Menschen, die sich den Industrial-Dipers gegenüber verschließen.

    Für meine Tochter hatten wir übrigens auswaschbare Baumwolltücher. Gab es schon vor 16 Jahren. Damals war das noch nicht so biomäßig fundiert wie heute. Nur für die Reise gab es "Pampers". Nachteil der Baumwollwindeln: Babyhosen passen da nicht drüber. Vorteil: Meine Tochter war schon mit 2 Jahren fast völlig "stubenrein".

    AntwortenLöschen
  2. damals hatte man ja kaum ne andere wahl. ich wurde auch noch mit solchen tüchern gewickelt. und natürlich empfand meine mutter das dann als erleichterung, als es beim dritten kind pampers gab.
    aber es ist halt schon krass, dass die dinger nicht verrotten. und man produziert ja tausende davon bei einem einzigen wickelkind.
    der windelhintern ist schon etwas dicker als bei pampers, wir haben aber so schicke jerseyhosen, da passt alles rein ;)

    AntwortenLöschen
  3. Ich hab mir auch die ausgesucht! Leider tun die Anschaffungskosten erstmal ziemlich weh, aber das würde ich später vermutlich auch denken, wenn ich ständig Pampers kaufen müsste.
    Ich finds einfach viel sympathischer, die Windeln dann einfach in die Waschmaschine stecken zu können, statt sie in die ohnehin schon überfüllte Mülltonne stopfen zu müssen.

    :D

    AntwortenLöschen
  4. Na... so alt bin ich ja jetzt auch nicht, dass man von "damals" sprechen muss ;-) Pampers und Co gab's da übrigens auch schon zuhauf. War ja nicht alles toll im Westen...
    Jetzt kann man dran denken, dass die Kleinen zwar in Pampers stecken, bis sie 4 Jahre alt sind. Doch später im Altenheim packt man uns auch noch die restlichen, sabbernden, schließmuskelschwachen Jahrzehnte da rein. Brrr

    AntwortenLöschen
  5. Ich finds super, dass ihr das echt mit "guten" Windeln macht.
    Meine Nichte wurde da mit Pampers gewickelt und wenn ich mir denke was eine einzige Packung kostet und wie kurz die nur hält... das ist doch auch schweineteuer und wenn man dann fast doppelt so lange welche kaufen muss... kann man doch nur den Kopf schütteln.
    Und wenn man die sogar gebraucht verkaufen kann... ist doch super!

    Nur frage ich mich jetzt, ob ich normales Strickzeug auch mit Lanolin behandeln muss. Dachte immer Wollwaschmittel würde reichen und so...

    AntwortenLöschen