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Freitag, 27. September 2013

Welcome again, Gothenburg.

Ein paar harte Tage liegen hinter uns, nahezu eine ganze Woche ohne Kind. Die Motte hat Urlaub bei Oma gemacht und wir hatten einige wichtige Termine.
Letzte Woche spielten zuerst Riverside hier im Musikens Hus. Die polnischen Progressive Rocker will ich schon seit Ewigkeiten sehen. Und die 250 SEK für die Karte haben sich definitiv gelohnt, ganz im Gegensatz zu den 325 SEK, die Hocico für ihre Show ein paar Tage vorher haben wollten. Gott sei Dank stand Herr H. auf der Gästeliste und ich musste nicht mitgehen. Da würde ich nicht mal hingehen, wenn man mir 100 SEK schenken würde.

Some hard days lie behind us, almost an entire week without child. Little Swede stayed with grandma and we had some important dates.
Last week Riverside played live at Musikens Hus. I want to see those polish Progressive Metal guys for years. The concert was really worth the 250 SEK, compared to those 325 SEK Hocico wanted to have for their show a few days before that. Thank God Herr H. was on the guest list and I wasn't forced to join him. I wouldn't even wanna go there if I got 100 SEK...


3 Tage später saßen wir zusammen im Bus nach Kopenhagen. Einige Tage nach dem errechneten Geburtstermin der Gurke spielte VETO, eine meiner absoluten Lieblingsbands, in Göteborg. Aber obwohl es im Endeffekt noch ne weitere Woche bis zur Geburt dauerte, dachten wir natürlich nicht mal Traum daran zu diesem Konzert zu gehen. Fast genau auf den Tag 2 Jahre später spielten sie im Kopenhagener Tivoli - und ich durfte die Jungs endlich live sehen.

Three days later we were on the bus to Copenhagen. Few days after Little Swede was supposed to be born VETO, one of my favorite bands, played live in Gothenburg. Though it took in the end one more week until he was finally delivered we of course didn't even think about seing this concert. Almost exactly two years later the guys played at Tivoli in Copenhagen - and I could finally see them.



Nach einigem Schlendern, glutenfreien/ vegetarischen Burgern bei MAX und Gin Tonic am Kanal gings zum Tivoli, wo wir die restlichen Stunden Wartezeit wiederum mit Gin Tonic und Bier überbrückten. Das führte dazu, dass Herr H. arge Schwierigkeiten hatte passable Aufnahmen der Band zu machen. Während er in der Nähe des Mischpultes den besten Klang suchte, warf ich mich in die vordersten Reihen, inklusive einiger internationaler Tittengrapscher. Leider war VETO quasi nur die 1-Stunden-Vorband der offensichtlich noch größeren The Floor is made of Lava. Es war noch nicht mal Mitternacht, als wir im Nachtzug nach Malmö saßen, auf dem Weg zur "Männerhöhle" eines Freundes meines Mannes. Ich war zwischendurch recht verwirrt, verloren zwischen drei Kulturen; die Dänen sprechen seltsam und OH MEIN GOTT, es gibt Alkohol im 7-Eleven!

Nach dieser "Aufwärmrunde" gab es am Montag ein Jubiläum zu feiern - 3 Jahre D-Day Gothenburg. Mama und Papa also aufs Rad, mit Einmannzelt, Kocher und der traditionellen Erbsensuppe. Das Wetter war unerwartet wunderbar.

After some strolling, glutenfree/ vegetarian burgers at MAX and Gin Tonic by the canal we went to Tivoli, were we spend the remaining hours with more Gin Tonic and beer. That ended in Herr H. having a hard time taking acceptable photos of the band. While he stayed close to the mixing desk in search of the best sound I threw myself into the front ranks, some international tit grabbers included. Too bad VETO was just the 1-hour opening act for the apparently even bigger The Floor is made of Lava. It wasn't even midnight when we went back to Malmö on the night train, on our way to the 'man cave' of an old friend of my husband. I was pretty confused in between, lost between three cultures; the danes have a strange language and OMFG the sell alcohol at 7-Eleven!

After this warm-up we had to celebrate an anniversary on monday - 3 years D-Day Gothenburg. Mommy and daddy onto their bikes, together with my one man tent, cooker and the traditional pea soup. The weather was unexpectedly wonderful.  



Diesmal wollten wir nicht wieder am Feuer scheitern. Herr H. besorgte zwei Säcke Feuerholz und am Ende saßen wir schön kuschlig am knisternden Lagerfeuer. Auch ein wenig Angeln musste sein, aber ohne Erfolg.

This time we didn't wanna fail with the fire again. So Herr H. bought two sacks of firewood and in the end we sat cozily around a crackling campfire. We also fished some, but without success.



Vegan war die Verpflegung nicht, im Gegenteil. Aber hier hab ich die Tradition über die Vernunft siegen lassen. Schwedische Köttbullar-Sandwiches mit Rote-Bete-Salat, Erbsensuppe mit Schweinefleisch, Kalles Kaviar, Preiselbeeren und Käse. Als wir uns vor drei Jahren erstmals an diesem See trafen, brachte Herr H. zwei Dosen Erbsensuppe mit, denn alles was ich hatte, enthielt Gluten und er hatte mir vorher nichts von seiner Unverträglichkeit gesagt.  Wir aßen damals nur eine der Dosen, die andere nahm ich in seliger Erinnerung mit nach Hause. Später hob ich sie weiter auf, weil wir an unserem Jahrestag an 'unseren' See zurückkommen und eben diese Dose essen wollten. Diesen Plan in die Tat umzusetzen hat tatsächlich drei Jahre gedauert. Die Dose ist vor 2 Jahren abgelaufen und auch wenn mir das sonst egal ist - die Suppe roch einfach nicht mehr gut, metallisch irgendwie. Also hielten wir uns lieber an die Backup-Suppe, die wir vorsichtshalber eingepackt hatten.

Our food wasn't vegan, quite the contrary. Well, traditions were stronger than rationality in this case. Swedish köttbullar sandwiches with beetroot salad, pea soup with pork, Kalles Kaviar, lingonberries and cheese. When we met by this lake for the first time Herr H. brought two cans of pea soup, cause everything I brought contained gluten and he didn't tell me about his intolerance before. That day we just ate one can, the other one I took home with me. Later I kept it because we wanted to go back to 'our' lake and eat right this one can. In the end it really took three years to fulfill our plans. The can expired two years ago and though I normally don't care about those things - it just didn't smell that well anymore, metallic somehow. So we kept with the backup can instead, which we packed in a precaution.



Es waren zwei tolle Tage. Wir haben es nicht geschafft die ganze Flasche Wodka zu trinken, die damals benötigt wurde - Gott sei Dank, muss man wohl sagen. Ich bin einfach zu alt für diesen Scheiß. :D So kam ich immerhin um den Kater drumrum.
Vor drei Jahren wurde ich ja auch sensationell bekocht - auch das wurde in der kinderfreien Zeit wiederholt. Ebenfalls nicht vegan, aber lecker.

It was two wonderful days. We didn't manage to drink the entire bottle of vodka that was needed back in the days - thankfully, I should probably say. I'm simply too old for this crap. :D So I at least skipped the hangover.
Three years ago Herr H. also cooked for me - and he did again now. Also ot vegan, but sensationally delicious.
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Sonntag, 28. August 2011

Refreshing Memories


Manchmal wache ich jetzt morgens auf und habe dieses Schwedengefühl in mir. Vor einem Jahr war ich gerade in der heissen Planphase für meine Trekkingtour. Ein Jahr später wird nun mein Sohn geboren werden.
Wie soll man dieses Gefühl beschreiben. Wenn ich morgens im Zelt aufgewacht bin, klang es draussen irgendwie nach Freiheit. Nach Herbst und einem vor mir liegenden, jungfräulichen Tag, an dem alles passieren konnte. Jetzt werden die Geräusche draussen auch wieder leiser, der Herbst naht. Es ist ein Gefühl, das ich nur schwer in Worte fassen kann.

Ich bin so froh, dass ich diese Tour gemacht habe. Klar, erstens wäre ich sonst nicht hier, wir wären niemals zusammengekommen und wir würden auch keinen Nachwuchs bekommen. Aber auch ansonsten hat es mir so viel gebracht. Und es sind eine Menge schöne Erinnerungen. Ich bezweifel, dass ich dieses Gefühl von Ruhe und Freiheit jemals wieder in diesem Ausmass einfangen kann. Auch wenn ich dann umziehe, lässt es sich wohl kaum reproduzieren. Ich hab jetzt ein anderes Verhältnis zu dem Land. Auch deswegen erinnere ich mich so gerne an diese 2 Wochen. Ich hoffe in dem ganzen Chaos, das bald über mich herein bricht, werde ich es schaffen die Fotos der Tour in einem Bildband zusammenzufassen. Nur für mich, zum Erinnern. Angefangen hab ich schon damit, aber es ist eine mühselige Arbeit. Für den Anfang hab ich den Reisebericht auf einer extra Seite erst noch mal in chronologische Reihenfolge gebracht.

Herr H. verspricht mir ja gern, dass wir nächsten Herbst unsere erste Radtour zu dritt machen werden. :) We'll see. Das klingt alles zu schön um wahr zu sein. Es wäre das erste Mal, dass etwas so einfach funktioniert


Mittwoch, 22. Dezember 2010

2. + 3.10. // Der Kreis schließt sich


Der letzte Tag.
Ich stand ohne Wehmut auf. Die Nacht war verdammt gemütlich gewesen und ich freute mich schon irgendwie wieder auf mein eigenes Bett. Das Wetter draußen: grau in grau. Egal, nicht wichtig. :)

Ich packte in aller Ruhe zum letzten Mal meine Taschen, machte Frühstück, gammelte noch ein bisschen rum (4 eigene Wände und Heizung können ziemlich verlockend sein) und schwang mich schlussendlich aufs Rad. Die letzten Kilometer.


Erst einmal wollte ich nach Ystad fahren, vielleicht einen Kaffee trinken, aber auf alle Fälle noch Postkarten schreiben. Das war sowieso ne ganze komische Sache.
Ich hatte mir wirklich vorgenommen Karten an ne ganze Reihe Leute zu verschicken. Dummerweise gab es nirgends welche, wo ich hingefahren bin. Große Orte habe ich immer gemieden, ich hab ja eher die Natur gesucht. Und die Orte, die touristisch interessant waren, Ales Stenar zum Beispiel, haben sicher im Sommer auch solchen Touri-Kram im Angebot, aber in dieser Jahreszeit? Hatte also große Probleme überhaupt Karten aufzutreiben.
Ein weiterer Grund, warum ich selten durch größere Orte gefahren bin bzw. warum ich es vermieden habe dort einzukaufen: ich konnte mein Gepäck ja nun nicht komplett mit in den Supermarkt reinnehmen. Wenn man zu zweit unterwegs ist, kann ja immer einer draußen bleiben und auf die Räder aufpassen. Ich musste mir was anderes überlegen. Zuerst einmal lebe ich in dem (eventuellen Irr-) Glauben, dass in kleinen Orten weniger geklaut wird. Dass da die Hemmschwelle größer ist, weil man ja jeden kennt. Idiotisch, mag sein. Vor allem, weil mein Rad ja geradezu "Tourist!!" schreit. Trotzdem, irgendwas muss man sich ja einreden, um sich zu beruhigen. Die Lenkertasche mit den wichtigen Dingen (Handy, Fahrkarten etc.) und die Kamera hab ich natürlich immer mitgenommen. Die beiden Taschen hab ich am Rad angeschlossen. Wer klaut schon ein sackschweres Rad? Das Rad selbst wurde natürlich auch noch mal angeschlossen und über Schlafsack und Zelt hab ich mir verboten nachzudenken. Sonst wär ich in meinem Urlaub verhungert. Hat aber alles super geklappt. In Trelleborg war ich am Ende noch mal einkaufen, da war mir dann schon ziemlich mulmig und ich hab mich ziemlich beeilt. Obwohl das im deutschen Vergleich ja nun auch keine große Stadt ist, aber für schwedische Verhältnisse schon.

Ich schweife ab.
Mein Hintern war hoffnungslos wund, der wollte nicht zurück aufs Rad. Gegen halb 12 saß ich in einem hübschen Café in Ystad, mit Blick auf die St.-Marien-Kirche. Ich hatte tatsächlich noch einige Postkarten aufgetrieben und schrieb nun, während ich göttlichen Kaffee und eine Zimtschnecke genoss. Ich beschloss der Kirche hinterher noch einen kurzen Besuch abzustatten. Ein bisschen Kultur auf den letzten Drücker konnte ja nicht schaden. Ystad ist wirklich ne niedliche kleine Stadt. Durch das Wetter wurde es aber nicht einladender. Und ich bin eh nicht so der Typ für Sightseeing. Ich find Kirchen an und für sich ja toll, die Ruhe, die Akustik und alles (obwohl ich nicht religiös bin oder so), aber da endlos durchzulaufen und mir Schnitzereien von was-weiß-ich-wann anzukucken - nee, lieber nicht. Ich möchte einen Ort, ein Land, eine andere Kultur erleben und mir nicht dort Gebäude ankucken. Ich möchte durch Straßen gehen und einen Eindruck bekommen, aber wie gesagt, das Wetter war an diesem Tag nicht dafür gemacht.

So bin ich dann trotzdem noch mal kurz in die Kirche rübergehopst - und hatte ungeheures Glück. 15 Minuten später sollte dort ein mittelalterliches Vokalkonzert beginnen. Ich mag sowas ja, also beschloss ich, dass ich noch genug Zeit hatte und blieb.
Außer mir waren eher ältere Leute da. Das Konzert war unglaublich. Chim con brio, 8 Sänger in mittelalterlichen Gewändern, die die Kirche zum Vibrieren brachten. Die Akustik war einzigartig. Die Stimmen füllten den ganzen Raum, schienen überall zu sein. Ich saß mit geschlossenen Augen da und bekam Gänsehaut. Es war so wunderschön, ich hatte wirklich Tränen in den Augen. Was für ein Abschluss dieser zwei Wochen. Sowas ist nicht planbar, dafür muss man sich auf eine Reise einlassen.
(Hörprobe gefällig?)


Ich suchte den Weg heraus aus der Stadt und folgte der Straße der Küste entlang. Das war am Ende noch mal ein sehr entspanntes Stück Weg. Immer das Meer linkerhand, herrlich. Befreiend. Auf diesen letzten Kilometern hab ich noch mal unglaublich viele Bilder gemacht.






Immer mal wieder Abstecher nach links an den Strand. Im Wind stehen, die Luft atmen. Ich war in Smygehuk, dem südlichsten Punkt Schwedens und wurde ordentlich nass, ich als doofer Touri hatte die Wellen unterschätzt. ;) Aber dem Meer kann ich nicht böse sein.


Ich war viel zu früh zurück in Trelleborg. Hatte noch endlose Wartestunden vor mir. Bin erstmal einkaufen gegangen, soviel ich tragen konnte. Wollte ein Stückchen Schweden mit heim nehmen. U. a. ne 1kg-Köttbullar-Packung. ^^ Von nüscht kommt schließlich nüscht. Dann hab ich mir ne Pizza geholt und beschlossen den Rest der Zeit zu lesen, obwohl die Temperaturen eisig waren und der Wind extrem. Mir hats den Belag von der Pizza geweht. Yeah, Schinkenstreifen im Haar. :D (Da ahnte ich schon wie die Fahrt verlaufen würde...) Mir fiel dann aber Gott sei Dank ein, dass die Fährlinie eine Art Wartehalle hat. Dort hab ich die letzten Stunden verbracht und nen Kerl aus Rostock kennen gelernt, der bei diesen Überfahrten etwas mehr Routine hat als ich.

Dann wieder aufs Schiff. Schweden wurde kleiner und kleiner. Mir hats fast das Herz zerrissen. Aber - ich schrieb die ganze Zeit mit dem besten, das ich aus diesem Land mitgenommen hatte. Ich wollte nicht weg, es tat weh zu gehen und zu wissen, dass man am Ende wieder in Deutschland landet. Aber ich wusste schon in diesem Moment: ich würde wieder zurück kommen. Und es würde nicht lange dauern.
Der Seegang war mörderisch, es war (mir) unmöglich meinen Kaffee kleckerfrei zum Tisch zu bekommen. Ich spürte zum ersten Mal, warum Menschen seekrank werden. Aber zum Einschlafen war das Schaukeln schön. Diesmal war anscheinend mehrere Schulklassen an Bord, das Geschrei kam gegen meine Müdigkeit aber irgendwann nicht mehr an.

Um 6 legten wir in Rostock an. Noch ein kurzes Tschüß, dann fuhr ich die Rampe runter - und mein Urlaub war endgültig vorbei. Auf die erste S-Bahn musste ich anderthalb Stunden warten. Man merkte sofort, dass man wieder in Deutschland war: Der Lokführer reagierte auf mein fröhliches "Guten Morgen!" nur mit einem irritierten Blick. *seufz* Nun denn.
Rostock Hauptbahnhof hatte einen bereits geöffneten Buchladen und ich gönnte mir den aktuellen Roman meines schwedischen Lieblingsschriftstellers. Ich verbrachte so ziemlich den ganzen Rest des Tages in diversen Zügen. In Gera holte ich noch schnell meine Katze ab. Sie war extrem perplex mich wiederzusehen, das konnte sie überhaupt nicht einordnen. Anscheinend hatte sie sich wirklich schon damit abgefunden, dass ich tot bin. Abends halb 11 kamen wir beide aber endlich zu Hause an.

Was bleibt nun?

Würde ich diese Tour wieder machen?
Eine ganz einfache Antwort: ja. Diese Tour war eine der besten Sachen, die ich je gemacht habe. in zwei Wochen das komplette Gefühlspektrum einmal rauf und wieder runter. Vor allem in det zweiten Woche hab ich die Strecke richtig genossen. Wenn man sich auf so etwas einlässt, kann man die tollsten Sachen erleben. Man muss sicherlich ein bisschen was ertragen können, es ist nicht umsonst Trekking und keine geführte Busreise. Nicht immer läuft alles reibungslos und schmerzfrei, man muss improvisieren können. Und wissen, dass man sich auf sich selbst verlassen kann, auch wenn das jetzt erst mal blöd klingt. Ich würde jedenfalls nicht anfangen mit GPS durch die Gegend zu fahren. Zum Trekking gehören für mich die guten alten Karten. Und wenn man einmal gelernt hat damit umzugehen, ist das auch kein Problem mehr. In Schweden geht man nicht verloren.
Und obwohl ich über 1100 km gefahren bin: ich habe nur ein winziges Stück von diesem Land gesehen. Nur ein kleiner Einblick. Wenn man sich das hier mal auf der Karte ankuckt, ist es echt erschreckend.
Ich würd jederzeit wieder allein losfahren, obwohl es sicher zu zweit auch Spaß machen kann. Dafür muss man aber die richtige Person finden, sonst wird der Trip nur nervig. Also, mal sehn was ich nächsten Herbst so mache. Vielleicht ist es dann aber ja gar nicht mehr nötig Urlaub in Schweden zu machen. ;)

insgesamt: 1115 km

1.10. // Zurück in die Zivilisation


Es ist Oktober.
Herr H. hatte Fieber und musste seine Arbeit absagen.
Am nächsten Tag ging meine Fähre zurück nach Deutschland.

Und das war gut so. Ich hatte die Schnauze voll vom draußen pennen, jeden Abend um einen Schlafplatz zu kämpfen und am nächsten Morgen völlig erledigt und mit Rückenschmerzen aufzuwachen. (Jede Nacht 10 Stunden Schlaf auf nackter Erde killen auch den robustesten Rücken, die Isomatte polstert nicht.) Andererseits waren es unbeschreiblich schöne Tage. Ich hatte so viel gesehen, gerochen, gehört. Gelernt. Gefunden. Ich fühlte mich zu Hause, ich mochte nicht aus Schweden weg. Ein Gefühlszwiespalt. Und es sah wohl so aus, als würde ich nicht nur ein kleines Souvenir mit nach Hause nehmen. Was hätte ich dafür gegeben jeden Morgen neben diesem Lächeln aufwachen zu können.

Wenigstens war ich an diesem Morgen besser drauf. Hopste mit meinem Musikplayer durchs Gebüsch, improvisierte Choreographien zu Robyn, Editors und Kent. Ich wollte aber schnellstmöglich zurück aufs Rad, nicht noch mal den gleichen Fehler wie am Tag davor machen.
Bis Trelleborg gab es keinen verfügbaren Zeltplatz mehr für mich. Ich versuchte mich innerlich mit einem Vandrarhem zu arrangieren. Ich musste vor der Überfahrt auf jeden Fall duschen, ich stank wie ein Iltis. Es ist auf jeden Fall ein Vorteil des Alleinreisens, dass niemand sonst deinen Geruch oder den deiner Schuhe nachts im Zelt ertragen muss. ;)


Ich orientierte mich in Richtung Kåseberga, dort befindet sich die größte "Schiffssetzung" Schwedens: Ales Stenar. Schon nach 2 Stunden und nur 22km war ich wieder am Ende. Es war kalt, der Himmel verhangen. Mein sehnlichster Gedanke galt einem weichen Bett mit vielen warmen Decken und Kissen und der Möglichkeit auszuschlafen.


Aber ich schaffte es bis in den kleinen Ort. Die oval angeordneten Steine hoch oben auf der Klippe sind schon imposant. Aber obwohl es Oktober war und der ganze Touristenverkehr schon eingemottet wurde, waren dort immer noch viel zu viele Menschen für meinen Geschmack. Nicht auszudenken wie es dort im Sommer zugehen muss. Nein, meine bevorzugte Reisejahreszeit ist und bleibt der Herbst.


Ich wollte bis nach Ystad kommen und mir dann halt ein Vandrarhem suchen, nützte ja alles nichts. Irgendwas mit Dusche und Steckdose. Mein Hintern war wund von zu viel Rad und zu wenig Hygiene. Kurz vor Ystad folgte ich aber einem Schild, das mir ein günstiges Zimmer versprach. Nach 3km erreichte ich den Fredriksbergs Kursgård, ein obskures.. ja, was eigentlich? Landhotel, Campinggelände, dahinter dezent muffige Sommerbungalows. Mir war alles egal. Ich weiß gar nicht mehr, was ich dafür gezahlt habe, es war jedenfalls viel. Dafür hatte ich aber ein Häuschen für mich alleine - und ich konnte duschen!! Ich entledigte mich quasi sofort meiner müffelnden Kleidung und stellte mich ne halbe Stunde unters heiße Wasser. Herrlich. Danach wurden alle Klamotten von Hand durchgewaschen. Den Rest des Abends verbrachte ich mit Essen kochen und in Unterwäsche durchs Zimmer zu hüpfen. Ein unbeschreibliches Gefühl endlich diese stinkende Hülle los zu sein, die Zivilisation hatte mich wieder.

Tageskilometer: 79
insgesamt: 1045

Zeit auf dem Rad: 4:50

Ø 16,4 km/h


30.9. // Skåne is hell on earth.


Was für ein super-frustrierender Tag. Absolut am Ziel vorbei.
Aber der Reihe nach.


Ich hab morgens wirklich nen Ruhigen gemacht, mit meiner Schwester telefoniert, ordentlich gefrühstückt und hatte null Stress. Ein leckerer Start in den Tag mit der Pilzpfanne vom Tag davor.


Ich hab den Zeltplatz am Ende natürlich bezahlt, aber da ich die Duschen ja nicht genutzt hatte, musste ich nur 100 SEK abdrücken. Bin also ganz gemütlich losgeradelt. Was im Nachhinein vielleicht ein Fehler war. Ich bin Richtung Höör gefahren, am Ringsjön vorbei, in Richtung einer Steingrabanlage bei Nunnäs. Am Fuß der Bäume wurde Rast gemacht.


Der Wind pfiff nun doch schon ganz schön heftig, im Schatten wurde es schnell kühl.

Von dort wollte ich ja eigentlich weiter nach Kristianstad und noch ein bisschen die Küste entlangfahren. Daraus wurde nichts. Hinter Hörby haben einfach meine Muskeln dicht gemacht. Rien ne va plus. Meine Beine wollten mich keinen Meter mehr vorwärts bewegen. Ich stand in diesem scheiß Skåne, auf einem scheiß Acker, über den ein unfreundlicher Wind fegte, und kam nicht mehr voran.


(Dagegen wirkt das Plakat, das mir 2 Wochen später bei meinem IKEA-Besuch in Kassel auffiel, wie blanker Hohn:


Nee Leute. Fuck Skåne.)

Es lag nicht an Übermüdung oder zu wenig zu Essen, es war einfach Feierabend. Der nächste Zeltplatz Äonen entfernt. Musste radikal umplanen, die Küstentour war gestorben. In Sjöbo gabs den nächsten ganzjährig offenen Platz. Hab mich also bis dort hin gequält. Ich wusste ja auch gar nicht, was ich sonst machen sollte, diese Oberschenkeltotalverweigerung war mir ein völliges Rätsel. Es hat ewig gedauert, bis ich die Stadt endlich erreicht hatte, es war schon nach 7. Und ich konnte den Zeltplatz einfach nicht finden. Kein Hinweis, nichts. Ich war völlig am Ende. Ich geriet dann im Dunkeln auch noch auf ne Fernverkehrsstraße, ich glaub ich hab einfach nur noch geheult. Das war der erste (und einzige) Tag, an dem ich das Ziel völlig verfehlt hatte, an dem sich im letzten Moment nicht doch noch was ergeben hatte. Ich konnte auf dieser Straße auch nicht umdrehen, weil sie eine Leitplanke in der Mitte hatte. Ja nun. Mir blieb nichts anderes übrig, als rechts über die Leitplanke zu klettern, das Gepäck vom Rad zu hieven und mich neben in der Straße in ein lichtes Wäldchen zu schlagen. Das Rad wurde im Gebüsch versteckt. Ich war so irrsinnig sauer... Auf mich selbst natürlich. Ich hatte am Tag noch Lebensmittel zum Kochen eingekauft, aber ich war so wütend, dass ich nicht mal mehr darauf Lust hatte. Ich baute im Dunkeln mein Zelt auf, dummerweise auch noch auf unebener Fläche, sodass ich die ganze Nacht fluchend nach links rollte und mir am Ende alles weh tat. Ich stopfte mir wütend ne Packung cremegefüllte Schokomuffins rein und schlief sofort ein. Auch das herzzerreißende Foto vom kränklichen Herrn H. und seinem Kater konnte mich nicht wirklich aufmuntern.
Was für ein beschissener Tag.

Tageskilometer: 94
insgesamt: 965

Zeit auf dem Rad: 5:41

Ø 16,6 km/h


Sonntag, 28. November 2010

29.9. // Eisfotos


Schon um 7 Uhr gings los, raus aus den Federn. Es war wieder IRRSINNIG kalt. Noch dazu hab ich in der Nacht meine Tage bekommen. Einfach grandios.

Am Morgen lag Nebel über dem See, einfach faszinierend. Musste noch eine kleine Fototour machen.


Kaffee kochen war aufgrund der Kälte nicht drin. Dann gings los, zum ersten Mal mit dicken Handschuhen. Trotzdem habe ich mir die ersten zwei Stunden fast die Extremitäten abgefroren. Mein Plan war so schnell wie möglich ins nächste Café zu kommen, um mich mit einer ordentlichen Koffeininfusion auf die richtige Spur zu bringen. Aber natürlich gabs dort im gesamten Umkreis nichts dergleichen. Musste dafür bis nach Örkelljunga fahren, 30km. Dort wollte ichs mir dann gut gehen lassen mit anbetungswürdigem Kaffee und Kuchen, aber mit meiner Hand war es fast unmöglich unfallfrei zu essen. Immerhin war es inzwischen warm genug.


Auf dem Weg dahin habe ich bei eisigen Temperaturen eine reifbedeckte Wiese fotografiert. Dieser Anblick hat mich die Kälte völlig vergessen lassen. Ich will ja nicht kitschig klingen, aber die Natur bringt einfach absolute Perfektion und Schönheit hervor.


Ich hatte an diesem Tag in etwa Höör angepeilt, dort gab es laut Campingführer einen ganzjährig offenen Zeltplatz. Ich musste unbedingt Akku laden. Von dort aus weiter Richtung Kristianstad, Ystad, Åhus. So der Plan.


Nach Kaffee und Routenplanung entschied ich mich ein weiteres Steingrab bei Munka-Ljungby zu besichtigen und dann gemütlich weiterzufahren.


Danach war es etwa 3 und auf einmal fand ich die Vorstellung recht verlockend, mal ohne Stress Zelt aufzubauen, zu duschen und im Hellen zu kochen. Also los zum nächsten Zeltplatz in Klippan, ich musste ja jetzt keine Strecke mehr schaffen. Der war natürlich schon zu, aber ich musste da eh dran vorbei. Der nächste: in Ljungbyhed. Ich hab ewig gesucht, am Ende war das ein winziger Platz mit unbesetzter Rezeption und anscheinend nur für Wohnwagen. Nun wurde es schon wieder kritisch mit der Zeit, etwas, das ich an diesem Tag eigentlich vermeiden wollte. Eine Alternative hatte ich noch, in Röstånga. Kam völlig fertig um 7 dort an. Rezeptionszeiten: 8:00 bis 10:00??? Na super. Es hing aber ein Zettel an der Tür, wen man außerhalb der Öffnungszeiten käme, solle man sich einfach auf den Platz stellen und dann am nächsten Tag einchecken. Ich war total am Ende und hab es einfach gut sein lassen. Auch hier war ich wieder die einzige mit Zelt.
Die Duschen dort waren alle abgeschlossen, den Schlüssel hätte man wohl beim Einchecken bekommen, also wurde das mit der Körperpflege wieder nichts. Ich machte ein bisschen Katzenwäsche im Waschbecken auf der Toilette, das Handy hing an einer Steckdose in der Gemeinschaftsküche. Immerhin. Gekocht wurde wieder im Dunkeln. Es gab eine Pilzpfanne zum Abendbrot, selbstgesammelt auf gut 100km in Skåne. Superlecker! Nur Pilze, mit Zwiebeln in Butter angebraten, ein bisschen Sahne, dazu Brot. Was braucht es mehr. Am nächsten Morgen wollte ich mal ausschlafen.

Mit Herrn H. war ich mittlerweile an dem Punkt angelangt: "Ja, ich mag dich ja auch total - aber wie zur Hölle sollte das funktionieren??" Gute Frage. Aber schon diese wenigen Äußerungen haben es geschafft Stromstöße durch meinen Körper zu jagen.

Tageskilometer: 112
insgesamt: 871

Zeit auf dem Rad: 6:40

Ø 16,8 km/h