Samstag, 7. Februar 2015

As if I needed one more hobby...

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Mein Studium besteht aus recht viel Theorie. Viel lesen, noch mehr schreiben und ne Menge Dinge, die ich oft nicht verstehe. Ich bin ein Freund der Praxis und die Konfrontation mit so vielen Akademikern macht mich manchmal ganz schwindelig. Menschen, die unglaublich viel z.B. über die Theorie des Häkelns wissen, aber selbst nicht häkeln können. Menschen, die mit glühendem Eifer über den Wert traditioneller Handwerkstechniken sprechen und darüber welchen negativen Einfluss unser Quantität-vor-Qualität-Denken auf eben diese Techniken hat und gleichzeitig die billigsten Klamotten ausm Discounter tragen. Ich fühle mich dem Ganzen oft nicht gewachsen. Es überfordert mich und ich denke oft daran einfach aufzuhören. 

Momentan stecken wir aber mitten in zwei praktischen Kursen, Textil und Holz, und damit kann ich schon eher was anfangen. Auch wenn diese Kurse für unseren Abschluss keine größere Bedeutung haben (sind eher zum Reinschnuppern gedacht), finde ich doch, dass man viel dabei lernt.

Zum Beispiel haben wir gefühlt tausend Mal gelesen welchen großen Stellenwert Textilien in der Vergangenheit hatten. Dass sie hoch geschätzt und teuer waren, nicht im Überfluss vorhanden und geflickt wurden, bis es nicht mehr ging. Das sind Worte und man versteht sie im besten Fall. Aber wirkliche Bedeutung bekamen sie für mich erst, als ich meinen ersten Faden spinnen sollte.
Unser Textilkurs fing mit einer Woche Unterricht im Spinnen an. Ein wenig Theorie, aber am meisten praktischer Unterricht. Eine Lehrerin wurde engagiert, Material bereit gestellt und Spinnräder von der Kunsthochschule geliehen. Nach einer vorbereitenden Vorlesung über Wolle ging es dann endlich los und wir bekamen Spindeln in die Hand gedrückt. Was für ein Erlebnis! Erst man krampfhaft versucht einen ersten buckeligen Faden herzustellen, begreift man wie viel verdammte Arbeit hinter einem einzigen Meter Gewebe steckt. Wie lange es dauert 10 Meter Garn herzustellen und wie viel man benötigt um zu weben oder zu stricken... Wahnsinn. Zugegeben - Tag 1 und 2 waren eher frustrierend. Meine Arbeitsproben waren weit entfernt von schön.



Buckelig, krumpelig, ungleichmäßig... Ich kann nicht behaupten, dass es besonders ermunternd war.
Aber irgendwas hat es... Ich konnte nicht aufhören. Eigentlich waren auf unserem Stundenplan nur 3 Tage dafür vorgesehen, aber ich habe die Möglichkeit genutzt mich weiter damit zu beschäftigen. Ich besitze zwar mittlerweile eine Spindel und auch fast unbenutzte Handkarden hab ich letztens für 3 € auf dem Flohmarkt gefunden, aber ich habe eben kein eigenes Spinnrad. Ab Tag 4 hat sich das Spinnen irgendwie verselbstständigt. Keine Ahnung warum das so süchtig macht. Aber ich kann nicht mehr aufhören. 

Erst mal haben wir uns durch verschiedene traditionelle, heimische Schafrassen gesponnen.




 

Dann hab ich diverse farbige Reste aus der Materialkiste verarbeitet.




Das hier waren die Ergebnisse nach einer Woche:


Dann hab ich ein Kilo Rohwolle von einem Hof in der Nähe gekauft. Meine ersten Testmeter mit der Handspindel:


Und es geht sogar Garn zu spinnen aus Katzenhaar. ^^ Ich weiß, dass ich mit Teleri vor Jahren darüber mal ein Gespräch hatte. Sie meinte, dass es nur mit Katze nicht geht. Und so hab ich erst mal aufgehört Fell zu sammeln. Jetzt konnte ich mich ja aber selbst mit der Sache beschäftigen. Gemischt mit farblich passender Schafwolle wird auch aus Fräulein Sushi Garn. :)
Hier die ersten Testmeter aus 8g Katze und 8g Schaf:


Jetzt sammel ich fleißig und schau mal wie viel ich zusammenbekomme bis das Fräulein mich verlässt. Sie ist ja nun kein Kitten mehr. Und dann kann ich mir was stricken, womit ich alle Allergiker in den öffenlichen Verkehrsmitteln zum Niesen bringe. :D

Aber ich erkunde auch alles andere, was mir so in die Hände fällt. Ich bin mir noch nicht ganz sicher wie ich dazu stehe teures Material im Fachhandel zu kaufen. Klar ist Merino weicher als Gotlandschaf, aber das ist ja nicht der einzige Aspekt um den es hier geht. Wie dem auch sei - ich habe unterschiedliche gefärbte Wolle gekauft und verarbeitet, teils fertig kardiert. Sowohl Spindel als auch Spinnrad, 1- und 2-fädig.



Die beiden Farbverlaufsgarne nenne ich insgeheim Regenbogen und Waldbeere. ;)
War beides kein besonders tolles Material, aber nem geschenkten Gaul... ihr wisst schon.




Tja, was soll ich sagen...Noch ein Hobby hätte ich echt nicht gebraucht.
Ende des Monats fahr ich mit meiner Schwiegermama zum Schaffest nach Värmland ("Får-ever young" :D ). Tickets hab ich heute gebucht. Mannomann...

Kommentare:

  1. *hihi ich finde das richtig spannend. Selbst ja nur auf der Seite, die die Wolle kauft und daraus etwas fertigt, ist so ein Entstehungsprozess des ganzen Fadens doch nochmal was ganz anderes. Ich finde es beeindruckend, was du in so kurzer Zeit schon gelernt und geschafft hast, richtig toll :)

    In Sachen Theorie und Akademiker muss ich ehrlich sagen, bin ich da auch in meiner Studiezeit immer mal wieder auf Probleme gestoßen. Ich habe in den ganz extremen Fällen einfach zugehört und mir meinen Teil gedacht und versucht dann das für mich wichtige mir herauszufiltern und den Rest dann eben einfach wieder fallen zu lassen (zT eben auch nach einer Prüfung erst *g)
    Fakt ist: In einem Studium werden einem so viele Inhalte präsentiert, die zum Teil kompliziert sind, zum teil aber auch - so mein Eindruck - verkünstelt kompliziert gemacht werden ... und das ist einfach nor der Snobismus der Akademiker, da musst du dann drüber stehen ;)
    Teilweise findet man auch am Ende des Studiums plötzlich Zugang zu etwas, das man am Anfang ganz furchtbar und unnötig fand (ging mir so mit Grammatiktheorie). Es macht irgendwann einfach in einer anderen Situation klick und passt dann. Und dann war es gut, dass man sich vorher schon mal dadurch gequält hat. ^^

    Halt die Ohren steif ;)

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    1. Ich geb mir Mühe. :)
      Im nächsten Kurs begeben wir uns mir Messer und Axt bewaffnet raus in den Wald!

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  2. Was für schöne Versuche! Auch wenn du kein Hobby mehr gebraucht hättest, deine Ergebnisse sind wirklich toll. Ich habe dummerweise mit dem Spinnrad angefangen und bin gar nicht klargekommen. Das Rad ist inzwischen verkauft und ich muss meine Motivation finden, mit einer Handspindel noch einmal neu anzufangen.
    Und wie schön, dass du Sushi verspinnst. Vor Jahren habe ich die Wolle von unserem Angora-Kaninchen gesammeln und da einen kleines Stück Wolle mit der Hand gesponnen (ohne Spindel, einfach so verdreht). Da sich das mit dem Spinnen dann erledigte und das Tierchen auch schon lange nicht mehr bei mir lebt, hab ich das nie mehr weiter verfolgt und den Rest Wolle irgendwann entsorgt. Schade eigentlich...

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