Sonntag, 16. Dezember 2012

Einsames Trödelbärchen

Wuaaah, jetzt gehöre ich anscheinend auch zu denen, die nicht ohne ihre bessere Hälfte können. Ein Verhalten, das ich immer völlig bescheuert fand. Aber gestern war ich mal wieder im Second Hand hier um die Ecke stöbern - und es macht allein einfach keinen Spaß. Einer der schönen Aspekte beim Trödeln ist anscheinend sich kuriose Fundstücke unter die Nase zu halten und gemeinsam zu überlegen, ob man den Krempel wirklich braucht.

Gestern musste ich wie gesagt allein klar kommen, der Mini schlief und war somit auch keine Hilfe. Die hatten 50% Rabatt beim Weihnachtszeug. Wir haben kaum Tischdecken, schon gar keine weihnachtlichen, und da wir zur Zeit nach fast jeder Mahlzeit einmal komplett neue Sachen anziehen und die Küche wischen müssen (die Motte isst ausschließlich selbst *augenroll*), ist es nicht verkehrt ein bisschen was auf Lager zu haben. Zumal wir ja auch Gäste bekommen. 


Diese Tischdecken gabs für zusammen 30 SEK. Das runde gehört wohl eigentlich unter den Weihnachtsbaum, aber wen juckts. Sonderlich schön sindse nicht, aber immerhin besser als der ganze Kram mit kleinen Wichteln oder Engeln. Würg. ("Na Honey, was sagst du zu den Tischdecken?" "Sie sind .. ähm .. sehr weihnachtlich." *hilfloskuck*)


Des weiteren gabs diesen schmucken Hänger


und einen Eiswürfelbehälter mit Spielkartenfarben.

Auch hab ich gestern angefangen Plätzchen zu backen. Erst mal bergeweise Rohlinge, verziert und zusammengesetzt werden sie später.


Ich hab gestern erschrocken festgestellt, dass meine Pakete ja am Dienstag verschickt werden müssen. Mein Mann kommt sonst vor Weihnachten nicht noch mal nach Deutschland. Großartig. Das hatte ich völlig verpennt. Ich hab  hier keine Geschenkschachteln und kein Einpackpapier, keine Schleifen und nichts. An nem Sonntag zu IKEA zu fahren ist aber auch glatter Selbstmord. Ich werde es mir also gleich antun in die nächste Shopping Mall zu fahren, obwohl das meine Stimmung auch nicht steigern wird. Was hasse ich Menschenmassen. Muss aber sein.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Kleine Dinge

Aaaaaah.
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Ruhe.

Nach 2 Nächten mit wenig Schlaf und viel nervtötendem Kampf ist Stille der reinste Luxus. Mir klappen schon wieder die Augen zu und ich muss morgen irrsinnig früh raus, aber ich muss das hier noch ein klein wenig genießen.

Die Insel der Stille.


Ich hab meine Hippiecouch wiederentdeckt. Seit dem Umzug hab ich sie etwas stiefmütterlich behandelt, da es dort kein vernünftiges Licht gab, aber nun hab ich mir was gebastelt aus Klemmspot und Kamerastativ (solange bis wir die perfekte Bibliothekswandleuchte finden) und es entspannt sich immernoch ganz hervorragend auf ihr. 
Dabei war das so gar nicht geplant. Die Matratze bekam ich von einem Bekannten geschenkt, damals zu Zeiten meiner Lehre, als ich kein Geld für Möbel hatte. Es sollte eigentlich nur ne unkomplizierte Übergangslösung werden, bis ich nen richtigen Job habe und richtiges Geld verdiene, um mich anständig einzurichten. Aber wer definiert schon anständig. Die Matratze ist wahnsinnig bequem und auch nach all den Jahren noch unglaublich gut in Schuss. Kann den Bekannten leider nicht mehr fragen, was für ne Art Matratze das ist und in welchem Preisrahmen die sich seinerzeit bewegt hat. Das Geld dafür war jedenfalls nicht rausgeschmissen. Ich hab im Laufe der Jahre zig verschiedene Bezüge dafür genäht, sie schließlich um ne Schaumstoffecke erweitert, um sie meinem seltsam geformten Kasseler Wohnzimmer anzupassen, dann wurde sie Wochenbett und der Hauptaufenthaltsort für den Minischweden und mich in unseren ersten 6 gemeinsamen Monaten. Und trotz aller Vorsätze zog sie auch diesmal wieder mit um und ich bereue es nicht. Nichts geht über meine Hippiecouch. 

Den Schweden wird ja gern nachgesagt, und es stimmt im Allgemeinen betrachtet tatsächlich, dass sie nicht die offensten sind. In der Straßenbahn parkt man lieber seine Tasche auf dem freien Platz neben sich als zu riskieren das sich dort jemand hinsetzt. Man setzt sich im Café nicht an einen Tisch, an dem schon andere sitzen, wenn man nicht muss. Man starrt lieber peinlich berührt aneinander vorbei als ein Gespräch anzufangen. Ist nichts Neues für mich, da sind sie dem Durchschnittsdeutschen sehr ähnlich. Ist mir auch nicht ganz unrecht, ich kann ganz gut ohne. Seltsamerweise scheine ich, gerade ich!, aber die Gespräche magnetisch anzuziehen. Ständig werde ich aus diesen oder jenen Gründen angesprochen, wegen meines süßen Kindes, letztens wegen meiner Shaun-das-Schaf-Tasche, und aus zig anderen Gründen. Und ich hasse es so, dass mein erster Satz jedesmal ist "I'm sorry, I don't speak much swedish." Ich hoffe das ändert sich schnell innerhalb der nächsten Monate.
 
Mal sehen, ob ich gleich noch genug Energie aufbringe, um die Lehrbücher rauszuholen. Ich sollte zumindest. Dieser SFI-Kurs wird irgendwie absurd. Heute war Cloudy Mona so arg verwirrt, dass sie sich mehrmals mit verschiedenen Pluralformen von Substantiven und Bezeichnungen von Körperteilen vertan hat. Auch bei meinem Aufsatz letzte Woche hat sie Fehler korrigiert, die gar keine waren. Es ist ja so schon anstrengend das alles auf die Reihe zu kriegen, aber ich kann doch nicht jedes Wort im Wörterbuch nachschlagen, um zu überprüfen, ob mein Lehrer diesmal richtig liegt mit dem was er erzählt. Mich verwirrt das ungemein. Dank meiner seiner ähnlichen Muttersprache dürfte ich diejenige sein, der das Ganze am leichtesten fällt. Wie muss es denn dann erst den anderen gehen, die dieser Verwirrtheit gnadenlos ausgeliefert sind?

Kurz noch ein Schnappschuss vom Luciafest gestern. Mini mampft traditionelle Lussekatter.


Leider hat der Akku die Hufe hochgerissen, so sind nur wenige, miese Bilder vom kleinen Tomte entstanden. Nichtsdestotrotz. Ich war natürlich mal wieder zu spät, die Kleinen und die Erzieher hatten schon zu singen angefangen. Und auch wenn Klein-Tomte noch nicht mitsingt, saß er trotzdem auf dem Schoß seiner Kindergartenmama und klatschte nach jedem Lied von selbst ganz begeistert in die Hände. Überhaupt hat er meiner Meinung nach so einen riesigen Sprung gemacht seit er in den Kindergarten geht. Mittlerweile läuft er super, kann alleine aus Bechern trinken und mit Besteck essen. Er gibt uns High Five, feuchte Küsschen, streichelt über den Kopf, wenn er uns versehentlich weh getan hat und spielt mit entnervender Ausdauer "Guck-guck!", natürlich auch in entsprechenden schwedischen Variante. Kindergarten ist gut für ihn. Mittlerweile will er auch gar nicht wieder weg.

Es ist anständig kalt hier, so um die -10°C, und ich bin ja nun nicht der riesen Winterfan. Aber seitdem ich wieder intaktes Fellschuhwerk habe, nervt es immerhin nicht mehr ganz so.


Die Kälte macht aber auch ganz famose Dinge: neuerdings können Fräulein Sushi und Mr. Mushroom auf derselben beheizten (gut gebräunten) Fensterbank sitzen oder im selben kuschligen Bett schlafen, ohne sich gegenseitig zu zerkratzen. 


Der Winter bekommt damit einen zweiten Punkt auf der Positiv-Seite. Nach Weihnachten natürlich. :)

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Two without a clue

Im NuS-Forum berichte ich über die Fortschritte in unserer Wohnung leider ein bisschen ambitionierter als hier. Das möchte ich nun aber auch hier im Blog nicht unerwähnt lassen: Wir haben ein Bücherregal! Am Wochenende haben wir uns endlich aufgerafft. Die Bilder sind leider allesamt nicht der Hit, aber gutes Fotolicht gibts wohl erst wieder im Frühling.

Am Samstag haben wir bei IKEA ne große Tüte hölzerne Konsolen EKBY VALTER gekauft. Da waren die zwei Geschenkgutscheine, die wir noch hatten, ein echter Segen. Dann weiter zum Baumarkt. Ein Freund hat uns netterweise mit seinem Auto geholfen. Gekauft wurden 7 lange Fichtenleimholzbretter 0,20 x 2m, Gipskartondübel und schwarze Beize.
Am nächsten Tag war aber Sonntag und deswegen konnten wir nicht bohren und sägen. Haben erst mal im Flur die hässliche 80er-Jahre-Pastelltapete überstrichen. ENDLICH. Und weil wir eh grad die Pinsel in der Hand hatten, bekamen die beiden kleinen Schränkchen nen frischen, schwarzlackigen Anstrich. Der alte war schon arg zerkratzt. Ich hab die ursprünglich mal Seond Hand gekauft in der Version "Eiche rustikal"... In schwarz machen die aber echt was her, finde ich.




So. Alle Konsolen wurden gebeizt und Montag früh gings dann endlich ans Anzeichnen. Das ist gar nicht so leicht. Eigentlich wollten wir das Regal an 3 Wänden um 2 Ecken rum haben, da muss man an ganz schön viele Sachen denken. Wir haben beide nicht wirklich Ahnung von der Materie. Aber zusammen gings dann doch ganz gut.

Ich hab angezeichnet, Herr H. hat Gipskartondübel in und Konsolen an die Wand gezwungen. Um die Tür herum haben wir die Bretter abgerundet. Sieht besser aus und ist freundlicher zu Kinderköpfen. Endlich kam mal meine Stichsäge zum Einsatz! Ging viel einfacher als befürchtet und die Schnitte sind sogar fast gleichmäßig geworden. ;) 


Am Ende hat tatsächlich alles geklappt und gepasst und wir haben nichts verschnitten oder so. Wir haben erst mal nur Holz für eine Wand gekauft. Aber - ganz ehrlich? Ich dachte wir hätten mehr Bücher. Das hier sind größtenteils meine und die passen bequem an die eine Wand. Okay - Herr H. hat seine Bücher zu Isolationszwecken in seinem Zimmer untergebracht, die Kochbücher stehen in der Küche und meine Fachbücher stehen in meinem Zimmer. Aber nun sieht das echt blöd aus. Wir haben rechts in der Ecke Platz gelassen, um 30 cm tiefe Bretter anzusetzen. Die brauchen wir nun aber erst mal nicht und nun hängt diese rechte Seite so traurig in der Luft. Hm. Nothing to do about it, I guess.
Ich bin jedenfalls erst mal sehr glücklich über den jetzigen Zustand. Ich hab meine Bücher zurück und das Wohnzimmer sieht ein bisschen wohnlicher aus. Ich hab nur noch ein bisschen Kopfschmerzen; die fiesen Dämpfe der Beize haben mein Gehirn angeknabbert.



Es hat auch alles seine Ordnung: v.o.n.u noch nicht gelesene Bücher - Sachbücher - Lieblingsbücher.




Meine Ake Edwardson-Bücher und die Millenium-Trilogie.


Endlich hab ich ein bisschen Platz für Deko und Kitsch! Die hübschen Stoffrahmen hab ich vor Urzeiten mal im xenos erstanden.

 
Und sonst so?
Das niedrige Regal hat 3 Körbe bekommen.


In der Küche fehlen momentan die Fronten. Die wurden von einer von der Hausverwaltung beauftragten Firma mitgenommen zum Neulackieren. Ich hoffe nur, dass die bis Weihnachten wieder da sind, wir bekommen Gäste...  



Zumindest der Mini hat Spaß.


Und ich hab mal alle silbernen Rahmen ausgekramt und einen Teil mit Familienfotos bestückt an die Wand gebracht. Erinnerungen an schöne Momente. Links kann man den geschmückten Baum erahnen, der vor unserem Haus steht. 





Das wars erst mal von der Holzverarbeitungsfront. Hab heut quasi schul- und kinderfrei und nehme mir jetzt meine Schwedischbücher vor. Um 4 ist dann Luciafest im Kindergarten, da muss ich heut ohne schwedischsprechende Verstärkung hingehen. Hab der Gurke heut früh noch schnell eine rote Zipfelmütze genäht fürs Weihnachtsmannoutfit (Rentierstrumpfhose, rot-weiß-geringeltes Shirt und rote Fellpuschen, die grad noch so passen). :)

Sonntag, 2. Dezember 2012

Mörch'n'daiss

Ich habs ja eher nicht so mit Merchandise. Selbst als 12jähriger Boygroupfan (dunkle Stunden, ich verdränge das gern) hab ich dieses Fanschal-Kaffeetassen-Merchandise-Ding nicht wirklich verstanden. Von guten Bands kaufe ich mir auf Festivals gern mal ein Shirt, das wars aber auch. Mir rollen sich die Fußnägel hoch, wenn ich an Orten wie z.B. dem Eiffelturm diese ganzen Andenken-Läden sehe. Dieser ganze Scheiß, der da angeboten und - was noch viel schlimmer ist - ja auch gekauft wird. Ich stehe auch den meisten Sprüche-Shirts skeptisch gegenüber, weil ich nicht ganz nachvollziehen kann, warum man sich selbst als 'Princess' oder 'Zicke' bezeichnen muss. Den meistens ShirtträgerInnen fehlt es da an Selbstironie und Einfallsreichtum. 

Genauso mit den Augen gerollt habe ich, als ich das erste Mal den Schwedenshop an Bord von Herrn H.'s Arbeitsplatz  betreten habe. Klar, günstiger Alk für die Schweden, Schwedenmerchandise für die elchverrückten Deutschen (komischerweise nichts mit Deutschlandflagge oder Bratwurstemblem). Das Meiste dieses ganzen Krempels lässt mich peinlich berührt zurück, weil ich weiß, dass es Menschen (Deutsche) gibt, die das Zeug kaufen. Elchunterhosen, Jag-älskar-Sverige-Caps, blau-gelb-beflaggte iPhone-Cases, Flaschenöffner, Handtücher und T-Shirts. 
Nur dieses eine... *höm* Wir haben 2 von den Dingern zu Hause, weder die Katzen noch wir haben es geschafft sie in den letzten Monaten zu zerstören, es macht also null Sinn einen dritten zu kaufen. Das Haben-will hat aber nun endlich gesiegt, besser gesagt bei meinem Mann, der hat es mir nun gegen alle Vernunft gekauft. (Auch wenn ich vermute, dass es nicht made in Sweden ist, eher produced in Bangladesh.)

Wovon ich rede?

Vom diesem elchigen Käsehobel! :D


Isses nich ganz entzückend wie er kuckt? *schmacht*

Hach, was hab ich Käsehobel früher gehasst. Ich war auch nie ein besonderer Käsefan. Die Schweden können zwar keine Wurst, aber Käse können sie. Das ist was ganz anderes als der Emmentaler-Tilsiter-Blödsinn in Deutschland. Die Käse hier schmecken nach was, und man kauft sie auch nicht in 200g-Packungen. Der gemeine Schwede isst ne Menge Käse, der kauft das Zeug mindestens als Halbkiloware. Ich esse jetzt fast täglich mindestens ein Käsebrot, und es ist beeindruckend wie einfach gut sein kann. Frisches Brot, ein bisschen Butter, eine fluffige Lage gehobelter Käse = Schlaraffenland. Wunderbar.

Nicht so wunderbar sind die Entwicklungen in Sachen SFI, Schwedish for immigrants. Am zweiten Tag wurden wir in eine größere Gruppe integriert, die schon seit 6 Wochen dabei ist. Der Aufprall auf dem  Boden der Tatsachen war hart. Ich hatte ja letztens schon geschrieben, dass wir Level 3 sind, Leute mit mindestens 10 Jahren Schulbildung. Nun ist das aber trotzdem ein weites Feld. Die irakische Mutti, die kein Wort Englisch spricht, hat ihre Schulausbildung seit 25 Jahren hinter sich, während die russische Studentin einen schwedischen Mann, und damit ganze andere Voraussetzungen hat. Es ist alles wahnsinnig durcheinander und wirr. Ich hoffe die Gruppe wird noch mal geteilt, denn auf diese Art und Weise werde ich nichts lernen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Lehrer einem Grammatik beibringen wollen in einer Unterrichtssprache, die niemand beherrscht. Mit irakischen Muttis, die 20 Minuten brauchen, um sich in den Lerncomputer einzuloggen. Nicht, dass hier der Eindruck entsteht ich hätte was gegen irakische Muttis, die Ärmste tut mir einfach nur leid, wie sie da so verloren dasitzt und keine Ahnung hat, was mit ihr passiert und was die Leute von ihr wollen.
Ich habe ja noch meine alten Bücher. Ich werde einfach Kapitel für Kapitel weitermachen im Selbststudium. Das SFI macht Sinn, aber nur um Fragen zu stellen, Wissen zu festigen und natürlich an der Aussprache zu feilen und im Dialog zu üben. Immerhin hab ich jetzt ne wöchentliche Kinderbetreuungszeit von 40 Stunden, anders wär das auf keinen Fall gegangen.

Mittwoch, 28. November 2012

Schwenska Teil 2

Eigentlich hab ich gerade genug anderes zu tun, die Katzen sind heute total geisteskrank und die Gurke wacht ständig auf, aber das hier ist so gut, *muahahaha* das MUSS ich einfach loswerden. Dieser Schwedisch-Kurs wird noch sehr interessant werden.

Ich habe den Raum - 416B - ohne Probleme gefunden, war aber 10 Minuten zu früh. Draußen warteten schon andere Schüler. Der Raum selber hat Glastüren, drinnen war alles leer und dunkel.
Ich nahm also im Flur auf einer Bank Platz. Ich bin keine von denen, die dann wild die anderen Wartenden anlabert, noch nicht mal in meinem Heimatland. Ich hab ein bisschen gesimst etc. Aus dem Augenwinkel bekam ich mit, wie jemand flinken Fußes in einen geschlossenen Unterrichtsraum - 416 - stürmte, dort alles aufscheuchte, wild gestikulierend begriff, dass 416 und 416B nicht unbedingt dasselbe sind und sich fröhlich entschuldigend wieder verabschiedete. Dann wandte er sich 416B zu - wie gesagt; Glastüren, leer und dunkel - , riss an der Tür, lachte wieder lauthals auf ließ dann einige neckische Kommentare in Richtung Wartebank los. Super. Mr Retard war offensichtlich in meinem Kurs.

Mir war auch klar, dass sich der besagte Herr mit Sicherheit den Platz neben mir aussuchen würde. Wir werden aber ab morgen in anderen Räumen unterrichtet, da versuch ich das zu vermeiden.

Unsere Lehrerin für heute kam also und ich finds ja so süß: Mona Jonsson Molnar, das Wolkenfräulein! ^^ (moln = Wolke) Wir haben abwechselnd bei ihr und einer gewissen Helena. Tja, dann gings natürlich ganz typisch los; ich heiße soundso wie heißt du. Wir haben alle ein unterschiedliches Wissenslevel, ich bin noch gespannt, wie das alles am Ende zusammenpassen soll. Ich hab auch die Namen noch nicht alle behalten, aber ich kann das Szenario ja mal kurz umreißen. Eine Frau aus Polen ist dabei, die kein einziges Wort Schwedisch spricht oder versteht und ich frag mich ernsthaft: bereitet man sich denn GAR NICHT auf einen Umzug in ein anderes Land vor?? Und sie ist auch nicht erst seit gestern hier. Bis man an dem Kurs teilnehmen darf, braucht man seine Personennummer und das dauert schon ne Weile. Außerdem verlässt man doch auch seine vier Wände, geht einkaufen, versucht irgendwie ein paar Vokabeln aufzuschnappen oder so. Nee, die Dame hat sich da anscheinend konsequent dran vorbeimanövriert, und Englisch spricht sie auch nicht. Die Unterrichtssprache ist Schwedisch, aber speziell am Anfang geht es ja darum erst mal IRGENDWAS zu verstehen, da hat sich Mona auch mal mit Englisch beholfen. 

Ein junger Mann aus Portugal ist mit dabei, der hatte heute seine Freundin als Übersetzerin mit, wie unfair. Wobei ich da noch nicht ganz dahintersteige. Sie spricht, soweit ich das beurteilen kann, gut Schwedisch, aber auch seine Muttersprache. Sie sieht irgendwie südländisch aus. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sie hier wohnt. In Schweden gibt es überall so eine bestimmte Türöffnungstechnik. Zusätzlich zur Klinke obendrüber noch einen kleinen Hebel, und man muss beide zusammen betätigen, damit die Tür aufgeht. Sie hatte damit echt Probleme. Aber wenn sie nicht hier wohnt, sonst würde sie dieses System ja kennen, woher kann sie dann so gut Schwedisch? Ist in Südeuropa Schwedisch eine Fremdsprache erster Wahl? Er kann jedenfalls Englisch, bin nur mal gespannt, ob seine Privatdolmetscherin jedesmal mitkommt. :D

Ein anderer junger Mann kommt aus Kalifornien. Seine Frau ist Schwedin. Frag mich ernsthaft, wieso man aus Kalifornien nach Schweden zieht. Wenn man aus Deutschland kommt, ist das kein großer Unterschied (wenn man nicht gerade von Süddeutschland nach Nordschweden zieht), aber für den Kalifornier muss das doch ein riesen Kälte- und Lichtdefizitschock sein.

Am Anfang war noch ein anderer Herr dabei. ich bin aber ganz froh, dass er in nen anderen Kurs wechselt. Er arbeitet wohl Vollzeit und die Unterrichtszeiten für diesen Kurs sind für ihn nicht einhaltbar. Ich hatte die Befürchtung er sei Deutscher, was man an seinem GRAUENHAFTEN Akzent hörte. Müsste ich das 4 Mal die Woche ertragen, ich würde mich wohl im Laufe der Zeit selbst verdauen aus lauter Scham. So ein richtig schöner, deutscher, brutaler Akzent, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Gespür für Satzmelodie und Wortklang, einfach drübergeklascht über die Sprache der Wahl. Das ist es doch, woran die Menschen in aller Welt denken, wenn sie DEUTSCH hören. Deswegen möchte ich andere nach Möglichkeit nicht wissen lassen woher ich komme. Ich fühle mich ganz wohl in meiner momentanen Zwischen-allen-Stühlen-Identität. Ich möchte wirklich nicht in die Lederhosen-Bratwurst-Sauerkraut-grausliger-Akzent-Schublade gestopft werden. (Obwohl Sauerkraut ja wirklich lecker ist. :D )

Und dann - mein Freund. (Muahaha, ich muss schon wieder lachen.) Aus Palästina. Wenn ich das richtig verstanden hab, ist er schon länger hier. Er kann ganz gut sprechen, nicht akzentfrei, aber er kann sich ohne Probleme verständigen. Ich versteh nicht ganz, warum er diesen Kurs besucht. Vielleicht weil er nicht so gut schreibt oder so, keine Ahnung. Er ist jedenfalls der mit dem höchsten Sprachniveau. Und das muss er permanent alle wissen lassen, er kommentiert fröhlich jedes Wort von Wolkenmona, lässt uns überdeutlich wissen, dass er versteht, nickt und gluckert neben mir in einem Fort. Ich hasse sowas. Wir hatten nach 5 Minuten begriffen, dass er Schwedisch spricht und wir sind nicht dämlich. Ständiges Kommentieren nervt mich.
Wir bekamen die ersten kopierten Blätterstapel und fingen mit dem Standardkram an; Namen, Wohnort, Sprachen, Länder usw. Auf einer Seite standen z.B. jede Menge Ländernamen, die wir im Chor aussprechen sollten. Herr Arabiska regte sich doch tatsächlich empört darüber auf, dass Palästina nicht mit auf der Liste stehe, wohl aber der Sudan und der Libanon. Wenn mich nicht alles täuscht, benutzte er sogar das Wort rassistisch. Wolkenmona kuckte ganz perplex, das war überaus absurd. Oh, das werden wunderbare Wochen. :D

Mona ist übrigens gar keine Schwedin, sondern Finnlandschwedin. Und sie scheint sehr nett zu sein. Ich bin übrigens heilfroh, dass ich kein Finnisch lernen muss, DAS wär ja ne Katastrophe.

Ich bin im C-Kurs, Level 3. Das heißt wir haben alle eine Schulbildung von mindestens 10 Jahren und können selbstständig arbeiten. Level 1 wäre für Analphabeten, die nie oder nur kurz in der Schule waren. Ich bin mal gespannt, was da noch so kommt. Für den C-Kurs sind 30 Wochen veranschlagt, hinterher kann man noch D machen, nochmal 20 Wochen. Ich versteh das Infoblatt noch nicht 100%ig, gibts natürlich mal wieder nicht in Deutsch, aber Gott sei Dank in arabiska. Sonst würde sich ja wieder jemand über Rassismus beschweren.

P.S.: Goldkind, deine Vorschläge für die seltsamen Flohmarktgeräte fand ich süß. ^^ Ratternde Ruby hat aber im Großen und Ganzen recht. Die martialisch wirkende Zange ist ein Zuckergreifer! Brauchen wir nicht, aber es ist so großartig. :D Herr H. (mit weit aufgerissenen Augen): "Ich hab keine Ahnung was das ist, aber wir nehmen es mit!" Das andere ist tatsächlich ein Meatballmaker. Herr H. hat aber nur verächtlich geschnauft, richtige Köttbullar rollt man in seiner Welt per Hand. Auf den Seifenseiten werden die Dinger zu gesalzenen Preisen angeboten, in der Tat um damit Badebomben zu fertigen. Ich denke ich bleibe bei der 'traditionellen' Köttbullarherstellung und versuche damit demnächst mal Blubberkugeln in Form zu bringen ;)