Donnerstag, 14. Oktober 2010

21.9. // Bilderbuchsonnenscheintag. Wie sich das gehört.


"Oh well, WHERE do you wanna go? GOTHENBURG?? That's pretty far! Well ... then it must be a VERY good friend!" ;)

Um 8 machte die Rezeption des Zeltplatzes auf, halb 9 saß ich wieder auf dem Rad.
Auf dem Weg ins Bad morgens hoppelten ne Menge Kaninchen auf der Wiese vor meinem Zelt rum, musste gleich an meine Schwester denken. :)
Time to get back on the track.


Diesmal kam ich mit der Beschreibung im Buch super zurecht, bin nach Route Nr. 25 gefahren.
Erst einmal gings durch Helsingborg, es war herrlich windig am Wasser und ich saß einige Zeit und habs genossen. Ich hab so viele verschiedene Lamdschaften gesehen in diesen 2 Wochen und trotzdem: das Meer ist und bleibt mir immer noch das Liebste. Meine Liebe zum Wasser ist mir ins Herz gebrannt, dagegen wird wohl niemals jemand etwas machen können. :)



Das Wetter war eigentlich wunderbar an diesem Tag, windig, aber die Sonne schien die ganze Zeit und das Meer glitzerte vor sich hin. Kein einziger Regentropfen.


In Ängelholm hatte ich Probleme den beschriebenen Radweg Richtung Vejbystrand zu finden. Bin ein bisschen in der Innenstadt rumgeirrt und wurde schließlich von einem Mann angesprochen, ob er mir helfen könne. Die sind alle so furchtbar nett, diese Schweden! Mir wurde mehr als einmal Hilfe angeboten, einfach so. Tja, und dann kommste wieder zurück in dieses pampige Deutschland.. Nun ja, jedenfalls schnatterte er munter drauf los. Fragte mich, wohin ich unterwegs sei, weil ich so nach Radtour aussähe. Ach ja, er hätte sich ja auch gerade ein neues Rad gekauft. Er sei bei der Feuerwehr und könne nächstes Jahr in Rente gehen und dann wolle er im Sommer eine Radtour machen nach Paris oder Holland oder Ungarn oder so. Er ist ne ganze Weile mit mir mitgefahren, hat mir den Radweg gezeigt, ein bisschen was über die Gegend erzählt und mir noch Tipps für den weiteren Streckenverlauf gegeben, eine Skizze auf dem Prospekt des Campingplatzes von letzter Nacht. Schon klasse, was einem alles so passiert. :)


In Skälderviken kam ich an einer Bucht vorbei, die mich an einen Urlaub auf Rügen 2003 erinnerte. (Ja, Herr Meyer, genau. ^^) Da hatte ich mit meinem damaligen Freund u.a. eine Nacht in einer Bucht bei Drigge verbracht, mit einem winzigen Sandstrand und herrlichem Wasser. Ich weiß noch, wie wir damals nachts fast von Mücken aufgefressen worden sind.





Der weitere Streckenverlauf stellte mich auf eine harte Probe.
Bei Båstad verläuft die Grenze zwischen den Provinzen Skåne und Halland. Als eine Art natürlicher Grenze fungiert der Höhenzug des Hallandsåsen. Um die 100 Höhenmeter waren zu überwinden. Und nein, das bin ich nicht geradelt. Da hatte ich schon Schwierigkeiten das Rad zu schieben. Bei der Abfahrt wurde mir bei 51km/h schon irgendwie schlecht, da hab ich dann mal lieber etwas abgebremst. Hatte Angst, dass mir das Rad unterm Hintern wegfliegt.
In Båstad hab ich mir erstmal eine dringend nötige Kaffeepause gegönnt. Liebe Leute... schwedischer Kaffee!!! Ich debattiere da schon die ganze Zeit mit Herrn H. drüber. Eigentlich kann man nach einem Urlaub in Schweden keinen deutschen Kaffee mehr trinken; im Gegensatz zum schwarzen Nass dort schmeckt die Plörre hier wie Wasser. Schlecht für nen Kaffeejunkie wie mich.


Nun war ich also in Halland. Anders als im chaotisch beschilderten Skåne gibt es dort einige sehr gut ausgewiesene Radwege. Ich entschied mich den Ginstleden an der Küste entlang zu nehmen - kein Rumwurschteln mit der Karte, kein Im-Kreis-Fahren, kein Suchen. Einen Zeltplatz brauchte ich an dem Abend auch nicht wirklich und so verschanzte ich mich bei Mellbystrand in einem Wäldchen neben der Straße.


Es ist übrigens toll die Reise noch mal Revue passieren zu lassen. Sich noch mal die Karte vor Augen zu führen, Fotos zu sichten, sich vielleicht auch noch ein paar theoretische Infos zu holen über die Orte, in denen man war. So ein Blogeintrag dauert zwar ewig, aber es bringt nochmal ein Stück dieses unvergleichlichen Urlaubs zurück. :)

Tageskilometer: 99
insgesamt: 300
Zeit auf dem Rad: 6:32
Höchstgeschwindigkeit: 51,2!
Ø 15,1

Dienstag, 12. Oktober 2010

20.9. // Regentag


Morgens hatte ich nun - im Hellen - endlich Gelegenheit mein erstes Nachtlager mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Ganz unerwartet hatte ich dann tatsächlich noch ein wirklich tolles Nachtlager gefunden.


Eine kleine Wiese, zwischen Acker und Straße, von Bäumen umstanden, also blickdicht. Morgens waren es angenehme 9°C und ich hopste halb entkleidet ein bisschen durchs Gras und widmete mich der Körperpflege. Wasserflasche, Waschlappen, Seife, mehr braucht es nicht. Danach ordentlich Frühstück. Ich hatte tatsächlich 11 Stunden geschlafen und das war auch nötig nach diesem ersten Tag.



Ich hab mich zum ersten Mal in meinem Leben getraut einen Gaskocher anzumachen. :D Ich bin ja sonst selten weicheiig, aber Bunsenbrenner, Gaskocher & Co. hatte ich bis dato nie angerührt. Aber nun ging es ja nicht anders - Mutti brauchte Kaffee!
Die erste Nacht hab ich wirklich geschlafen wie tot. Ich war viel zu müde, um mir Gedanken über meine Sicherheit zu machen. Ich meine, man ist ja schon ausgeliefert, wenn man irgendwo mitten in der Gegend rumliegt. Außer meiner Kamera und ein bisschen Geld hatte ich keine Wertgegenstände mit. Und die Kamera hab ich jeden Abend an mir festgeschnallt und mit dem Kopf auf ihr geschlafen. ;) Das war auch soweit ich mich erinnere die einzige Nacht, in der ich so "offen" geschlafen hab. Ansonsten hab ich mein Zelt immer irgendwo im Wald aufgeschlagen.


Nach einem äußerst reichhaltigen Frühstück brachte ich auch meine Streckenplanung für diesen Tag zu Ende. Ich wollte mich an die Route Nr. 7 aus dem Buch halten, nach Helsingborg., und dann weiter Richtung Båstad. Mitten im Aufbruch begann es zu regnen. Und es sollte an diesem Tag auch nicht mehr wirklich aufhören...


Muskelkater hatte ich keinen (auch sonst auf dem ganzen Rest der Tour erstaunlicherweise nicht), nur mein Hintern tat natürlich etwas weh. Zuerst fuhr ich mal wieder ne überflüssige Runde durch die Äcker, bis ich endlich auf die beschriebene Route traf.


Skåne. Überwiegend Ackerland. Das bringt Dünger mit sich. Viel Dünger. Dünger überall. Skåne stinkt. Wirklich! Diesem Gestank entkommt man nicht. Aber dieser graue, verhangene Tag brachte noch etwas anderes mit sich. Es roch nach Herbst. Geruchserinnerungen sind so schwer zu fassen. Gerüche kann man nicht beschreiben. Man riecht etwas und es erinnert einen an Dinge, die zig Jahre zurückliegen. So ging es mir an diesem Tag, als ich durch die dunstige, morgendliche Ackerlandschaft radelte. Ich erinnerte mich an einen Tag, an dem ich mit meinem Opa und meinen Geschwistern im Wald war. Mein Opa wollte Feuerholz machen. Wir spielten im Wald, ich meine mich sogar an eine windschiefe, verfallene Hütte zu erinnern. Und es war kalt, und unangenehm feucht. Nach getaner Arbeit machte mein Opa ein kleines Feuer, wir bekamen grobe Säcke, um uns ein bisschen zu wärmen, und dann brieten wir Würstchen an Stöcken über dem Feuer. An all das erinnerte ich mich auf einmal an diesem Morgen. Verrückt.

Von da an gings eigentlich recht geradlinig voran. Und da ich größtenteils an der Küste entlanggefahren bin, hatte ich auch nicht mit dem Auf und Ab durch die Ackerlandschaft zu kämpfen. Dafür regnete es praktisch ununterbrochen.

Landskrona


Die Regenjacke ist ihr Geld wirklich wert, da kam nichts durch, aber für ne vernünftige wasserdichte und atmungsaktive Hose hat es nicht mehr gereicht. Auch meine Schuhe waren sofort durch. Und so schaffte ich dann nicht die Strecke, die ich mir vorgenommen hatte (obwohl meine Einschätzung da in den ersten Tagen auch noch nicht so toll war), sondern entschied mich für ne warme Dusche auf dem Campingplatz in Helsingborg, im Stadtteil Råå, direkt am Meer. RICHTIGE ENTSCHEIDUNG!



Ich war komplett durchnässt und muss völlig fertig ausgesehen haben, als ich da in die Anmeldung rein bin. Nettes Mädel hinter der Rezeption. "Ah hallo! Ja, wie viele seid ihr denn? Ach, nur du!?" Irritierter Blick. "Mit dem Auto?" "Nein, mit dem Rad." "Mit dem Rad??" Noch mehr irritierte Blicke. "Und nem Zelt?" "Japp." - Stille - "Ist es da nicht kalt nachts??" "Öhm... nö, nicht unbedingt." "Okaaay... und fürchtest du dich da nicht, wenns dunkel wird?" *grinsel* Diesen Dialog führte ich in den folgenden Tagen noch öfter. ^^
Auf diesem Campingplatz war außer mir noch ein anderer Kerl mit einem 1-Mann-Zelt, die anderen Male war ich immer die Einzige. (Gott sei Dank hab ich mir dieses andere Zelt nicht gekauft (von Wolfskin, ich hatte es in der engeren Auswahl), das war noch winziger als meins, dagegen ist meins ne VILLA!!) 150 SEK hat die Nacht gekostet, 140 die Campingkarte, die man auf jedem Zeltplatz braucht.


Das Duschen war göttlich. War zwar alles schon ein bisschen schmuddelig, aber es gab keine Zeitbegrenzung und wie gesagt, ich hatte die ganze Sanitäranlage für mich alleine. ;) Konnte meinen halbleeren Handyakku aufladen. Danach gabs noch Nudeln vom Gaskocher, die ich vor lauter Müdigkeit kaum noch aufessen konnte. Und dann bin ich auch schon begleitet vom Meeresrauschen eingeschlafen.


Tageskilometer: 76
insgesamt: 201
Zeit auf dem Rad: 5:13


Montag, 11. Oktober 2010

19.09. // Aller Anfang ist schwer


Was'n abgegriffener Spruch. :D

Endlich angekommen. Die Fähre lief 6.15 Uhr in den Trelleborger Hafen ein. Ich hatte tatsächlich einige Stunden schlafen können.
Trelleborg an nem Sonntag kurz nach 6 ist nun nicht besonders einladend, wie man sich vorstellen kann. Immerhin bekam ich endlich den Kilometerzähler repariert (hatte das Kabel blöderweise durch ne ungeschickte Lenkerbewegung durchtrennt). Den ersten Tag wollte ich nach Streckenbeschreibung fahren, nämlich nach Nr. 79 aus diesem Buch. Die ersten 3 Tage sind immer die härtesten. Man hat sich weder an die Belastung noch an die Arbeit mit der Karte gewöhnt und so wollte ich auf Nummer Sicher gehen. Hat leider nicht so ganz funktioniert. Das Buch arbeitet weniger mit Karten als vielmehr mit Beschreibungen und ich konnte die richtige Straße aus der Stadt heraus einfach nicht finden. Inzwischen war die Sonne aufgegangen und ich hab erstmal Frühstück gemacht, Würstchen, Schokolade und Jägermeister, wie sich das gehört. ^^


Von der Wiese aus, auf der ich saß, konnte ich 'meine' Fähre wieder aus dem Hafen auslaufen sehen. Ich war ja noch gar nicht viel gefahren, vielleicht 5km im Kreis geirrt, aber schon in dem Moment hatte ich Angst, dass ich das körperlich alles nicht schaffe. Das Gewicht des Rades hat mich echt fertig gemacht.


Letztendlich kam ich dann aber doch irgendwie raus. Man braucht ne Weile, bis man sich an das Rad gewöhnt und lernt das Gleichgewicht zu halten. Auch die Ausrüstung, die Klamotten, alles war ja neu.
Um 11 war ich in Svedala angekommen. Die haben ne hübsche kleine Kirche, vor der ich einige Zeit saß. Nun ist das zwar nur ein Nest (9500 Einwohner), aber irgendwie wollte mich der Ort nicht loslassen. Ich bin wieder und wieder hilflos im Kreis gefahren, kam 3 mal wieder an dieser Kirche an. Ich bin fast wahnsinnig geworden.

Nun war es ja Sonntag und ich hatte Hunger. Ich finde ja mal völlig göttlich in diesem Land, dass dort zumindest in größeren Orten Geschäfte aufhaben, jedenfalls Supermärkte. Aber wie gesagt, nur in größeren Orten. Ich also weiter gedümpelt und Staffanstorp angepeilt. Ich hatte ja schon erwähnt, dass man einige Tage braucht, um sich an all das zu gewöhnen. Jedenfalls hatte ich an diesem ersten Tag den Rhythmus von fahren und Pause noch nicht so richtig raus. Kurz vor Staffanstorp ging gar nichts mehr. Es war irrsinniger Wind an dem Tag, flach ist Skåne nun auch nicht gerade, da gehts ordentlich hoch und runter und mit dem Rad ist man auch nicht wirklich windschnittig. Noch dazu hatte ich mir wirklich die blödeste Strecke ausgesucht, bin viel zu lang auf so ner Schnellstraße gefahren, was nicht so schick ist, wenn man auf nem Rad sitzt. Kurz vor der Stadt haben mich alle Kräfte verlassen und ich bin einfach neben der Straße ins Gras gefallen. Ich hatte viel zu lange nichts gegessen und getrunken. Himmel, da hatte ich meinen ersten kleinen Nervenzusammenbruch. Den sehr nette Menschen aus der Heimat per SMS gelindert haben. :) Ich hab also etwas gegessen und saß dort vielleicht ne Stunde. Hach, diese Schweden sind ja so nett! Es hielt tatsächlich irgendwann jemand an und fragte mich ob ich Hilfe bräuchte. Das sollte einem mal in Deutschland passieren.

Ohne Mist: als ich nach langem Suchen endlich diesen Supermarkt fand, bin ich fast vor ihm auf die Knie gefallen. "8 - 21 alla dagar" Halleluja!! Greta hört die Englein singen. Bin in Staffanstorp übrigens durch eine Wohnsiedlung gefahren, in der alle Straßen Namen von Handwerksberufen hatten. Ich habe tatsächlich die Buchbinderstraße gefunden :D


Danach weiter nach Lund. Dahin führte netterweise ein beschilderter Radweg. Dort fing es dann an zu regnen, ich hatte keinen Bock mehr und steuerte den Zeltplatz an. - Letzter Tag: 15.8. Feini. Ansonsten war da in der Nähe nichts weiter. Und nu? Generell gilt ja in Schweden das Allemansrätten, das einem u.a. gestattet unter Beachtung gewisser Regeln überall in der Pampa sein Zeltchen aufschlagen zu können. Nun ist das in Skåne aber so ne Sache. Da is noch nich viel mit Wald, größtenteils ist die Provinz von Ackerland bedeckt (Kornkammer Schwedens - pah, scheiß auf Kornkammer, Greta will pennen!). Über meine Beziehung zu Skåne werde ich später noch näher eingehen... *augenroll* Nun wurde es all die Tage gegen 19 Uhr dunkel, spätestens dann sollte man seinen Schlafplatz gefunden haben, um dann noch ne halbe Stunde zum Lageraufschlagen haben. An diesem ersten Tag war es allerhöchste Eisenbahn. Ich war auf ner Schnellstraße, kein Wald in Sicht, ich war schon wieder kurz vorm Zusammenbruch. Dann in letzter Swkunde ein Geschenk des Himmels: eine leerstehende Scheune (man darf weder in der Sichtweite von Wohnhäusern noch auf Agrarland zelten) und dahinter einer kleine, baumumstandene Wiese. Ein kleiner lebensgefährlicher Schlenker nach links von der Straße runter (mir war dann echt alles egal) und ich konnte mich endlich beruhigen.
Dann zum ersten Mal das Zelt aufstellen. Hab ich mir wirklich gut ausgesucht. Es wiegt nur knapp anderthalb Kilo, hat nur zwei Stangen und ist in 5 Minuten aufgebaut. Hab einfach nur die Taschen ins Innere geschmissen, die Körperpflege auf den nächsten Morgen verschoben und bin sofort eingeschlafen. 125km! Ich war völlig fertig.


Mein Papa hat ja den größten Teil der Tour zu Hause am Rechner verfolgt und sich immer mal auf der Karte angekuckt, wo ich langgefahren bin. Er hat sich dann immer gewundert, dass ich oft doppelt soviel gefahren bin wie die eigentlich Strecke. Nun ja, erst mal gehen die Routenplaner da ja von der idealen Straße aus, ich als Radfahrer muss mir aber kleinere Straßen oder Fahrradwege suchen, die dann oftmals länger sind als Schnellstraßen oder Autobahnen. Und dann verfährt man sich ja auch gerne mal, oder dümpelt etwas durch ne Innenstadt oder sucht nen Supermarkt... Dadurch kommen diese Abweichungen zustande. Die eigentliche Entfernung an dem Tag betrug nur etwa 60km, aber ich bin am Anfang schon ziemlich herumgeirrt. Das besserte sich dann später.


Freitag, 8. Oktober 2010

17. + 18.9. // Die Anreise


Am dem betreffenden Freitag war ich ja nun noch arbeiten bis um 1. Danach heim, Sachen endgültig packen, der Zug fuhr 18.59 Uhr von Kassel-Wilhelmshöhe. Ich musste noch die Radtaschen einstellen und am Rad montieren, was mir allerdings vor der Abfahrt noch nicht richtig gelungen ist. Hatte nicht das richtige Werkzeug da. Aber es ging ja auch erst mal nach Gera, die Katze zu meiner Familie bringen.

Ich also mit Müh und Not den ganzen Scheiß auf dem Rad festgezurrt, Zelt, Isomatte und Schlafsack auf dem Rücken, da ich die Katzenbox erst mal auf dem Gepäckträger befestigen musste. "Was für ein Geraffel!" ^^ Schon als ich das Rad zur Straßenbahn hochgeschoben hatte, bekam ich so meine Zweifel, ob ich das mit diesem sackschweren Rad wirklich 2 Wochen in Schweden aushalten würde. Das Gewicht war PERVERS. Mit Hochheben war da nicht viel. Keine Ahnung, wie viel es nun genau gewogen hat, aber schön war anders, obwohl ich nun auch nicht gerade schwachbrüstig bin. Hab drei Kreuze gemacht, als ich endlich im ersten Zug saß. Das war ein IC Richtung Erfurt mit Fahrradabteil am Ende. Das Rad muss man dort drei Stufen nach oben heben. Und da kam ich schon das erste Mal so wirklich an meine Grenzen. Hab gezittert vor Anstrengung, als ich endlich saß, Sushi hat geplärrt. Das war eh so ne Sache. Sollte ich erst das Rad reinheben und sie dann holen oder erst sie reinstellen und dann das Rad? Zugfahren ist mit ihr überhaupt kein Problem, sie rollt sich dann zusammen und schläft einfach, solange sie aus dem Fenster kucken kann. Aber sobald sie mich aus ihrer Box nicht mehr sehen kann, bricht die Hölle los. Da schreit Madame den ganzen Bahnsteig zusammen, weil sie denkt, dass ich sie stehenlasse. Also nein, es war nicht wirklich einfach.

Einmal umsteigen in Erfurt, den Rest der Strecke bis Gera im RE.
Während der Zugfahrt hab ich versucht mich zu entspannen, schließlich waren das die ersten Kilometer in Richtung Urlaub. Hab ein bisschen die Gedanken schweifen lassen und meine Erwartungen und meine Ungeduld in meinem Reisetagebuch dokumentiert. Hab festgestellt, dass ich das Ladekabel für meinen mp3-Player vergessen hab. Na toll, nichts mit schwedischer Musik in Schweden, zumindest nicht viel. Hatte mir nämlich für die Reise nur skandinavische Musik drauf gemacht. :) So musste ich nun sparsam mit dem Akku umgehen.

In Gera angekommen, wurde ich freundlicherweise von meiner Schwester abgeholt, die mir ein bisschen Kram abgenommen hat. Mein Papa hat mir dann noch letzte Instruktionen gegeben. Er ist ziemlich oft auf Reisen, aus beruflichen Gründen. Und so gabs dann noch einen kleine Auslandscrashkurs.

Am nächsten Tag bin ich recht früh aufgestanden und hab die Montage der Taschen noch mal überarbeitet. Und den Fahrradcomputer angebracht. Kribbeln im Bauch. War auch noch kurz in der Stadt, Katzenfutter besorgen, Schuhe, Reisemedikamente. Mein Papa bestand darauf mir vor der Abfahrt noch ein tolles Schnitzel zu kredenzen, "bevor es zwei Wochen lang nichts Richtiges mehr gibt". ;)

Und um 12 gings dann endgültig los. Schmerzhafte Abschiedsszene von meiner süßen Miez. Aber nützte ja nichts. Schweden wartete.
Ich hatte eigentlich ne recht nette Zugverbindung, nur zwei Mal umsteigen in Weimar und Berlin. Alles entspannt. Bis der Zug plötzlich kurz vor Einfahrt nach Weimar 25 Minuten auf offener Strecke stehenblieb. Doof, wenn man nur 11 Minuten Umsteigezeit hat und in Rostock ne Fähre wartet. Natürlich habe ich den Anschlusszug verpasst. Und dann das das Vergnügen Bescheinigungen, Formulare und Ausweichverbindungen zusammenzusammeln am Service Point. Ich liebe Deutsche Bahn. Nun gut, saß ich halt 2 Stunden im Weimar rum, hab aber nen Gutschein für nen Kaffee bekommen (KAFFEE!!! *nomnom*). Und ich hatte noch Zeit die Rückfahrkarte zu erwerben.
Nach den 2 Stunden hatte ich mich dann auch erst mal wieder beruhigt. Ich hab übrigens so ein Fahrgastformular bekommen und hoffe ich bekomme für die Zugverspätung noch ne kleine Entschädigung. Der Rest der Reise verlief hindernisfrei.



In der S-Bahn zum Rostocker Hafen lernte ich Dustin aus Kanada kennen. Er ist seit 9 Monaten in der Welt unterwegs, nur mit Rucksack und Notebook, und er wird auch noch mal etwa so lang unterwegs sein. Er war einen Monat in Berlin gewesen und an dem Tag nun unterwegs zur Fähre nach Helsinki, weil er nach Schweden kein Ticket mehr bekommen hatte. Habe mich ein bisschen mit ihm über die Freuden des Alleinreisens unterhalten. Gibt halt wie bei allem Vor- und Nachteile, die ich im Nachhinein bestätigen kann. Aber dazu später mehr. :)

Am Hafengelände angekommen musste ich nun nur noch den Weg auf die Fähre finden. Das war mein erstes Mal überhaupt und ich bin dort ein bisschen rumgeirrt, bis ich schließlich begriffen hab, dass ich die ganz normale Autospur nehmen musste. Das Schiff war RIESIG. :D So sauste Klein Greta dann also mitten in der Nacht mit nem vollbeladenen Rad im riesen Hafengelände zwischen zig LKWs rum. Ich hatte Gott sei Dank ne Spur für mich alleine. ^^ Auffahrt über ne Rampe, vor und hinter mir LKWs. Aber dann war ich endlich drin. Hab mein Rad an nem Geländer befestigt, meinen Kram geschnappt und bin aufs Deck hoch.


Stand bestimmt ne Stunde dort und hab Deutschland kleiner und kleiner werden sehen. Der Wind im Gesicht tat gut. Bin am Meer aufgewachsen und vermisse es fürchterlich. Danach ins Schiffinnere, hab mir nur noch nen ruhigen Platz in nem Seitengang gesucht und mich auf ner Bank ausgestreckt schlafen gelegt. Am nächsten Tag würde ich 6.15 Uhr ankommen und dann den ganzen Tag unterwegs sein. Also Kraft tanken.

Weiß nicht, ob ihr mitbekommen habt, aber ich habe durchaus personelle Beziehung zu Schweden. Herr H. hoffte wirklich, dass ich ihn in meine Routenplanung mit einbeziehe. (Er wohnt in Göteborg.) Ich hatte ja die ganze Zeit so meine Zweifel, ob dieses Treffen wirklich zustande kommen würde, aber er meinte vor der Abreise noch aufmunternd: "Hope is for the poor! We'll make it!". Nun denn. :) Obwohl ich in mir überhaupt nicht vorstellen konnte wie es sein würde ihn wiederzusehen, das letzte Mal war 4 Monate her und sooo gut kennen wir uns nun auch wieder nicht (was mich nicht davon abhält seit 1,5 Jahren in den guten Mann verknallt zu sein). Man schreibt sich halt Mails und hat sich auch schon mal auf nem Festival getroffen, aber sonst..

Schweden wartet. :)

Sverige 2.0


Ja ihr Lieben.
Ich bin natürlich schon seit Sonntag wieder im Lande, ich musste schließlich am Montag pünktlich um 7 wieder auf Arbeit sein.
Ich hatte auch wirklich vor mich früher zurück zu melden, aber - hach, ich finde einfach keinen Anfang. Der Urlaub war bombastisch und toll und das ganze Gefühlsspektrum einmal rauf und runter und überhaupt. Mein Kopf ist noch ganz vollgestopft mit Eindrücken und ich glaube ich hab das bis jetzt alles noch gar nicht alles richtig realisiert. Ich werde nun aber beginnen Tag für Tag Revue passieren zu lassen. Ich habe fleißig Tagebuch geschrieben. :)


Lasst euch jedenfalls gesagt sein: es ist EINIGES passiert. Und ich glaube ich habe mehr als ein Souvenir mit nach Deutschland gebracht. :) Aber dazu später.

Es gab gute und schlechte Tage, ich habe Gott gesehen und einiges an Tränen vergossen, ich habe bei Bodenfrost im Zelt geschlafen und Bekanntschaft mit allerlei schwedischen Viechern gemacht. Ich hatte keinen Muskelkater, dafür aber einen Windelpopo, ich habe eine Großstadt und die tiefste Einöde gesehen, und nein, langweilig war mir nie. Ich habe einiges über mich gelernt (und nein, nicht abgenommen, zu viel lecker schwedische Kekse und Köttbullar ^^ ). Ich habe Schweden gesehen, geschmeckt, gehört, gerochen und gefühlt. So wie das ja mein Ziel war. Und ich sage euch Eines: mein Herz ist unwiderruflich verloren an dieses Land. Gebt mir dort nen Job und ich bin weg! *seufz*
Als ich am Samstag Abend wieder an Bord der Fähre nach Deutschland stand und Trelleborg immer kleiner und kleiner werden sah, hab ich fast geheult. Ich vermisse sweet sweet Sweden. Deswegen bin ich heute tatsächlich in einem Anfall von Sehnsucht zu IKEA gefahren, habe den Schwedenshop leer gekauft (obwohl es meine neuerliche Lieblingskekssorte dort nicht gibt *schnöff*) und im Restaurant auf die Köttbullar geheult (naja, zumindest fast). Ach, ich sage euch...

Einen Tag vor Antritt der Reise habe ich mir Gott sei Dank noch so nen kleinen Fahrradcomputer geleistet. Das billigste Modell, aber egal. Ich habe nämlich ein abartiges Faible für Zahlen und Statistiken und werde das alles zu hübschen, kleinen Diagrammen verwursten. :) Bit by bit. Hier nun schon mal als kleiner Vorgeschmack ein Blick auf den letztendlichen Kilometerstand:


Und ich habe fast 1200 Fotos gemacht. Es gibt einiges zu sehen. :)

Nun muss ich aber erst mal noch ne Mail fertig machen und dann gehts ab in die Heia. Und morgen gehts endlich los mit der Berichterstattung. :) Schlaft gut!