Es ist ... ich habe Alpträume. 4 innerhalb von zwei Wochen. Entweder ein Irrer wirft mit Speeren und versucht alle umzubringen oder ich sehe meine Bekannten und Verwandte vor mir, die mir erzählen was für eine beschissene Mutter ich bin. Ich sehe mich bloßgestellt in einem Haus aus Glas vor einer Wand Schaulustiger oder Fremde schmusen nackt mit meinem Sohn in einer Art und Weise, für die ich jeden auf der Stelle kastrieren würde. Ich wache panisch auf und entweder ich bin allein oder mein neben mir liegender Mann reagiert auf mein nächtliches Anstupsen nur mit einem Grunzen.

Es haben bisher mehrere geschrieben, dass sie meinen Ehrlichkeit in diesem Blog schätzen. Auch über Dinge am Muttersein, die nicht so toll sind. Ich habe jetzt ein paar Tage überlegt und mich letztendlich entschlossen das hier doch zu schreiben.

Da sind zum einen diese Träume. Die haben schon ihre Gründe. An schöne Träume kann ich mich nicht erinnern. Heute beim Kinderarzt wurde ich in vielfacher Weise gerügt. Schlechte Mutter, ich sags ja. Die Fingernägel seien zu lang und die Fußnägel dreckig, und überhaupt sollte mein Kind weder sitzen noch stehen, das sei noch zu früh und tue ihm nicht gut.

Nun ja. Er hasst es zu liegen. Er will sich selber aufrichten, versucht zu sitzen und ist frustriert, weil es nicht klappt. Er braucht ständig Bewegung, alles ist sofort zu langweilig. Ich laufe den ganzen Tag, mit meinem Kind auf dem Arm, ich wippe und hopse und singe und klapper mit irgendwelchem grellbunten Spielzeug vor seinen Augen hin und her. Ich wechsel Windeln und steige in seine blubbernden Konversationen ein, ich stille so ziemlich alle 2 Stunden, manchmal auch öfter; ich versuche in seinem Verhalten zu lesen was er will und braucht, so macht man das ja anscheinend heutzutage. Kein zwanghaft starrer 4-Stunden-Still-Rhythmus. Sobald ich Gemüse geschnitten und in das heiße Öl geworfen habe, quäkt es aus Richtung Bett und aus meinem Mittag ist wieder Geschichte. Und trotzdem werde ich fetter und fetter. Das soll mir mal einer erklären. Und dann diese provozierenden Mails dieser Babyseite, ob ich mich denn auch schön gesund ernähre und mich fit halte. WANN DENN??? Am Ende habe ich dann weder Appetit auf Essen noch Geduld alles herunter zu würgen.
Mein Freund meint ja auch ich solle mir Zeit für mich nehmen und was Gutes tun. WANN, ZUR HÖLLE? Wenn ich das Glück habe und mein Kind ist doch mal halb 11 im Bett, fange ich an die Wohnung aufzuräumen, dazu komme ich ja tagsüber nicht. Und glaubt ja nicht ich wäre ein Sauberkeitsjunkie. Eher im Gegenteil. Aber so was muss man ja lernen, sonst darf man sich in naher Zukunft wieder anhören wie asozial man ist. Ich stehe da, wasche vollgeschissene Windeln, falte Strampler und rubbel Pipiflecken aus meiner couchähnlichen Sitzecke. Am Ende des Tages hab ich wirklich keine Lust mehr mir noch Mühe zu geben mir selbst was Gutes zu tun.

Ich hab keinen Bock mehr auf diese Scheiße. Heute kam der neue Kratzbaum für unsere zwei Dämonen an und ich hab jetzt endgültig Platz geschaffen dafür, indem ich meinen Nähkram wieder in die Umzugskisten gepackt habe. Es hat einfach keinen Sinn. Erst dachte ich ich könnte die ruhigen Minuten des Tages und die Abende dazu nutzen einfach mal was Schönes zu machen, nur für mich. Aber es soll eben nicht sein. Ich muss schuckeln und ruckeln und wippen und den lieben, langen Tag einen Fast-7-Kilo-Brocken durch die Gegend schleppen. Damit ist er jetzt fast 1 Kilo schwerer als unser fetter Kater. Ich habs endgültig begriffen, in diesem Leben hat sich die Sache mit Kreativsein erledigt. Ich werde in eine fremdes Land ziehen, wo ich für jeden Furz die Hilfe meines Mannes brauchen werde und so noch mehr eingesperrt sein werde als ich jetzt schon bin. Da kann er es mir noch so oft in leuchtenden Farben ausmalen wie klasse das alles wird mit seinen Freunden und wie viel scheiß Spaß wir haben werden. In Schweden wird dann noch nicht mal meine Schwester da sein, um mit mir zum Kinderarzt oder mal kurz in die Stadt zu gehen. Ich werde den Rest meines Lebens an ner Supermarktkasse stehen und ein schönes Wochenende wünschen.
Ich bin an dieses Kind gekettet und weiß immernoch nicht, ob es Liebe ist oder einfach nur Pflichtbewusstsein, schließlich ist es mein Kind und ich muss keinem Außenstehenden meine mir rechtmäßig zustehende Arbeit aufzwingen. So lasse ich mich eben Tag für Tag von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends anschreien, und ich habe beim besten Willen keine Ahnung, was am Muttersein nun so toll sein soll.
Ja, er ist niedlich, wenn er mal nicht schreit oder mir ins Gesicht speichelt. Ich hatte ein Leben und Interessen vor diesem Kind und nun erwarten alle, dass ich das vergesse und mich stattdessen abspeisen lasse mit einem zahnlosen, sabbernden Lächeln meines Sohnes pro Tag, und alles soll dann wieder Happy Sunshine sein. Meine Schwester benutzt jetzt schon 2 Kondome...
Mag sein, dass wir vorher ausgemacht hatten ich solle zu Hause bleiben und er arbeitet. Es ist für'n Arsch. Ich bin verantwortlich für Kotze von drei Lebewesen, der Kater kackt aus ominösen Gründen ständig auf meinen Badezimmerteppich und andauernd fällt irgendwo irgendwas herunter. Und wenn ich aufstehe, um Scherben wegzukehren oder den Inhalt von Regalen aufzusammeln, fängt es hinter mir sofort an zu schreien. In Gedanken male ich mir aus, wie ich einfach meine Tasche packe und gehe, mich in irgendeinen Zug setze und nie wieder umkehre. Aber das mache ich natürlich nicht, schließlich bin ich hormonell gefangen. Und derjenige, der diese super Kinderidee hatte, dümpelt lustig auf seinem Schiff hin und her, kassiert die Anerkennung seiner Kollegen und den finanziellen Lohn seiner Arbeit, er plant Konzerte, während ich einem Säugling den Muttermilchstuhl vom Hintern kratze. Nein, ich finde nicht, dass Frauen einfach nur aufgrund ihrer Hormonsituation eher in dieses ganze Babyding involviert sind.
Und jetzt schreibe ich schon so lange an diesem Post, dass ich es beim besten Willen nicht mehr schaffe den Badezimmerfußboden zu schrubben. Müsste ich eigentlich, da ist schon wieder Katzenkotze. Naja. Überlegt euch es euch vorher gründlich, diese Sache mit dem Kinderkriegen. Ich habe keine Ahnung, wie DAS zwei Menschen zusammenschweißen soll. Herr H. hat Panik, dass ich ihn verlasse. So ein Käse, er ist ja nicht das Problem. Allerdings würde ich im Falle einer Trennung das Kind diskussionslos an ihn abtreten - auch ein reizvoller Gedanke.